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Dom
zu Mailand, 24. Februar 2005
Trauerfeier für don Luigi Giussani
Ansprache von Dionigi Kardinal Tettamanzi, Erzbischof von Mailand
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1. Liebe Schwestern und Brüder, in diesem Augenblick des
Abschieds verspüre ich das Bedürfnis, einer besonderen
Dankbarkeit Ausdruck zu geben.
Dankbarkeit gegenüber dem Vater, der uns auch heute in dieser
Eucharistiefeier seinen Sohn Jesus Christus als Retter und Erlöser
geschenkt hat, der uns die lebendige und gnadenbringende Gegenwart
seines Sohnes hat kosten lassen, an den wir glauben und den wir
lieben als das wertvollste Gut unseres Lebens, ja als das einzige
und höchste Gut.
Dankbarkeit gegenüber unserem Herrn Jesus Christus, dem Mittelpunkt
und Herz all unserer Glaubenserfahrung, der mit seinem Leib und
seinem Blut bis heute Quelle des Heils für die ganze Menschheit
ist, der in seiner Kirche wohnt und sich dort begegnen lässt.
Dankbarkeit gegenüber dem heiligen Geist, dem Geber alles
Guten, der unaufhörlich die Kirche erfüllt und die Menschheit
mit dem Überfluss seiner Gaben im Leben erhält.
Heute wollen wir dem Herrn in ganz besonderer Weise danken für
die Gabe von Monsignore Luigi Giussani, einem Priester dieser Kirche
Mailands, der die Bewegung Comunione e Liberazione gegründet
hat und stets unentwegt ihr geschätzter und gesuchter Leiter
war.
Es liegt vor allem bei dieser ambrosianischen Kirche, voll Freude
dem Herrn zu danken, denn Don Giussani wurde in dieser Kirche als
Mensch und Christ geboren und zum Priester geweiht; denn es geschah
zuerst hier, früher als anderswo, dass er seine außergewöhnliche
und unermüdliche Leidenschaft als Erzieher, besonders der
Jugend, einsetzte, zuerst im Priesterseminar, dann im Berchet-Gymnasium
und in der Schulwelt, wo diese Leidenschaft die Form des Apostolats
annahm, welche die Azione Cattolica ihm angeboten hatte unter dem
Namen Gioventù Studentesca , der dann eigener Name wurde,
wie auch an der Katholischen Universität; denn es geschah
gerade in dieser unserer Kirche, dass er mit seinem ungetrübten
und starken Glauben und seiner unbezähmbaren Leidenschaft
für das Apostolat die Bewegung Comunione e Liberazione hervorbrachte,
die dann wuchs und sich nicht nur in Mailand entwickelte, sondern
auch an vielen anderen Orten der Welt.
Zusammen mit der ambrosianischen Kirche bringen viele weitere
Menschen und Gruppen ihren Dank zum Ausdruck, die hier anwesend
oder vertreten sind und die ich sehr herzlich grüße.
Insbesondere wandern unsere Gedanken, dankbar für seine liebevolle
Nähe in diesem Augenblick der Trauer und des Schmerzes, zum
Heiligen Vater, der vor Ort sein wollte, indem er Kardinal Ratzinger
als seinen Vertreter sandte und uns mit einer persönlichen
Botschaft beschenkte. Mögen zu ihm, dem Heiligen Vater, in
diesem Augenblick der erneuten Prüfung unsere Zuneigung, unsere
Genesungswünsche und unser Gebet gelangen.
2. Und nun öffnet sich unsere Dankbarkeit dem Gebet. Dem
fürbittenden Gebet für diesen teuersten Priester, der
so lesen wir im Beileidstelegramm der italienischen Bischofskonferenz
eine Glaubenserfahrung vorzulegen wusste, die es vermag, den
heutigen Menschen anzusprechen für eine lebendige Begegnung
mit Christus und der Kirche und in einen Dialog mit den unterschiedlichsten
Kulturen einzutreten.
Es ist ein Gebet, das wir alle gemeinsam erheben und für
das sich auch mein Vorgänger zum Sprecher gemacht hat, Carlo
Maria Kardinal Martini, der mir folgendes geschrieben hat: Ich
schließe mich der Trauer und dem Gebet der ganzen Erzdiözese
und all seiner Freunde an und vertraue diesen treuen Diener der
göttlichen Barmherzigkeit an. Er hat sein ganzes Leben lang
das Geheimnis des fleischgewordenen Wortes mit unermüdlicher
Liebe und Begeisterung verkündet. Möge der Herr ihn nun
auf die Fürsprache von Maria in der Ewigkeit Seines Lichtes
empfangen, von wo aus er auch für uns bitten möge, die
wir noch durch Schatten und Bilder hindurch zum himmlischen Jerusalem
hinschreiten, wo es weder Trauer noch Weinen geben wird, sondern
nur die gegenseitige und freudige Anerkennung derjenigen, die Jesus
geliebt und Seine Offenbarung mit Freude erwartet haben. Da ich
in Kürze nach Israel aufbrechen werde, verspreche ich, des
lieben Verstorbenen am Grab Desjenigen, der für unsere Erlösung
auferstanden ist, besonders zu gedenken.
Es ist dasselbe Gebet, das wir bereits während dieser Trauerliturgie
zum Herrn erhoben haben und das ich nun noch einmal auch in Ihrer
aller Namen zum Ausdruck bringen möchte.
O Jesus Christus, du Licht des Lebens und Ziel unseres Weges,
gewähre Don Luigi, der geschrieben hat Das Heil ist eine
Gabe es ist nicht eine Suche unsererseits, eine Mühe unsererseits
und es hat einen Namen: Christus (Egli solo è. Via Crucis,
Verlag San Paolo, S. 11), gewähre ihm, dir zu begegnen, und
sei du selbst für ihn der Lohn all seines Daseins.
Mit der Kraft deiner befreienden Gnade und mit der Macht deiner
Liebe, die jede Sünde besiegt und vernichtet, gewähre,
o Herr, Don Luigi, die Wahrheit in Fülle zu erfahren und zu
kosten, die Wahrheit dessen, was er zutiefst geglaubt hat, als
er schrieb: [Deine] Gegenwart ist unsere Freude, [deine] Freude
ist unsere Kraft. Es ist die Kraft einer Liebe, die am Ende siegen
wird. (ebd. S. 46)
Und du, o Maria, Jungfrau und Mutter, Tochter deines Sohnes,vor
allen Wesen groß und voll von Demut, du vorbestimmtes
Ziel im ewigen Rate, du, die du der Hoffnung stets lebendige
Quelle bist, empfange Don Luigi mit deiner mütterlichen Zärtlichkeit,
der dich zärtlich geliebt und tausendmal mit diesen Versen
Dantes angerufen hat, und bitte für ihn deinen Sohn, der in
der Herrlichkeit zur Rechten des Vaters sitzt, auf ewig sein Antlitz
als gekreuzigter und auferstandener Herr, das er leidenschaftlich
gesucht hat, zu sehen und zu schauen.
3. Mit dem Gebet öffnet sich unser Herz auch der brüderlichen
und aufrichtigen Solidarität gegenüber allen, die um
den Tod von Monsignore Giussani weinen. Eine Solidarität,
die für sie und für jeden von uns den Trost des Herrn
erfleht und die sich im Blick auf Leben und Zeugnis von Don Luigi öffnet
zur Anteilnahme an Gedanken, Empfindungen und Vorsätzen für
ein gerechteres und heiligeres Leben, das wahrhaftiger und freudiger
im Einklang sein soll mit dem lebendigen Wort der Frohen Botschaft
und mit dem christlichen Glauben, den wir bekennen.
Machen wir uns seine große Leidenschaft für die Mission
zu eigen und lassen wir uns aufrütteln und antreiben von der
unauslöschlichen Sehnsucht, alle, denen wir begegnen, teilhaben
zu lassen an dem Glück, Christus zu kennen und zu lieben und
in Gemeinschaft mit ihm einzutreten und zu verbleiben, indem wir
uns von seiner unübertrefflichen Schönheit und Gnade
anziehen und verändern lassen. Auf dass es auch für uns,
wie für Don Luigi, in gewisser Weise unerträglich werde,
dass es Menschen gibt, die die Freude dieser lebenden und persönlichen
Frohen Botschaft nicht kennen, die der Herr Jesus Christus selber
ist.
4. Und nun ist für Monsignore Luigi der Moment des letzten
Aufbruchs zum Ort seines Grabes gekommen.
Aber dies ist auch für uns der Moment des Aufbruchs. Indem
wir diesen Dom verlassen, wird jeder zu seinem Haus zurückkehren,
zu seinem Lebensumfeld, zu den Dingen, für die er Verantwortung
trägt.
Aber hier endet nicht die Erinnerung an einen geliebten Menschen,
an diesen unseren Bruder im Glauben, der für viele auch ein
teuerster Vater war, ein mächtiger und sanfter Vater, und
der für alle Verkünder und Zeuge Christi und seines Geheimnisses
war.
Unser Gebet so sagt es uns die ambrosianische Liturgie möge
ihn weiterhin der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, auf dass er
sich in Ewigkeit an der Fülle seines Friedens freue.
+ Dionigi Cardinal Tettamanzi Erzbischof von Mailand
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