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Bischofssynode
S.EM.R.KARD. ANGELO SCOLA, PATRIARCH VON VENEDIG (ITALIEN)
03/10/2005
Quelle: vatican.va
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Inhaltsübersicht
EINFÜHRUNG
Eucharistie: die Freiheit Gottes kommt der Freiheit
des Menschen entgegen
I. Das Eucharistische Staunen
II. Die Eucharistie bringt die Evangelisation mit sich
III. Die Eucharistie und die ratio sacramentalis der Offenbarung
ERSTES KAPITEL
Das Novum des christlichen Kultes
I. Die “logike latreía” (Röm 12, 1)
II. Der Wert des Eucharistischen Ritus
III. Die Eucharistiefeier erzeugt die Kirche
1. Eine erste Bekräftigung: der Bischof, Liturg par excellence
2. Eine zweite Bekräftigung: die Natur des christlichen
Tempels
3. Eine dritte Bekräftigung: die “Interkommunion”?
ZWEITES KAPITEL
Die eucharistische Handlung
I. Die Unterscheidungselemente der Eucharistiefeier
1. Die untrennbare Einheit des Wortgottesdienstes und der Eucharistiefeier
a. Die eucharistische Gabe: weder Recht noch Besitz
a1. Sonntägliche Feiern in Gemeinden, die auf einen Priester
warten
a2. Viri probati?
2. Die Anbetung
3. Die Einstellung zu Beichte und Buße
a. Die geschiedenen Wiederverheirateten und die Kommunion
4. Ite missa est
II. Ars celebrandi e actuosa participatio
DRITTES KAPITEL
Die anthropologische, kosmologische und soziale Dimension der
Eucharistie
I. Zwei Vorbedingungen
1. Eucharistie und Evangelisation
2. Eucharistie, Interkulturalität und Inkulturation
II. Die anthropologische Dimension der Eucharistie
III. Die kosmologische Dimension der Eucharistie
IV. Die soziale Dimension der Eucharistie
SCHLUSSFOLGERUNGEN
Das eucharistische Dasein in den gegenwärtigen Bemühungen
I. Zusammenfassung
II. Ein abschließender Wunsch
EINFÜHRUNG
Eucharistie: die Freiheit Gottes kommt der Freiheit des Menschen
entgegen
I. Das eucharistische Staunen
Bei der Eucharistiefeier “können die Gläubigen
auf gewisse Weise die Erfahrung der beiden Jünger von Emmaus
nachvollziehen: “Da gingen ihnen die Augen auf und sie
erkannten ihn” (Lk 24, 31) [1].Darum erklärt Johannes
Paul II., dass die eucharistische Handlung Staunen auslöst
[2]. Staunen ist die unmittelbare Antwort des Menschen auf eine
ihn hinterfragende Realität. Es drückt die Erkenntnis
einer ihm freundlich gesinnten Realität aus, es ist ein
Positivum, das die grundlegenden Erwartungen trifft. Der Hl.
Paulus erklärt im Römerbrief den Grund hierfür:
Die Realität bewahrt den guten Plan des Schöpfers.
An diesem Punkt konnte der Apostel von den Menschen sagen “die
die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten” sind “unentschuldbar”,
denn “obwohl sie Gott erkannt haben”-vom Moment “seit
Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den
Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen” - “ haben
sie ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt” (vgl.
Röm 1,19-21).
Unsicherheit und Angst können sich dagegen in einem späteren
Moment in der Erfahrung des Menschen breit machen, wenn sich
aufgrund der Endlichkeit und des Bösen in ihm die Angst,
dass das Positive der Realität nicht bleiben könne,
breit macht. So fügt sich einerseits die eucharistische
Handlung, wie ja auch das gesamte Christentum als Quelle des
Staunens [3] in die menschliche Erfahrung ein. Anderseits jedoch äußert
sie sich als nicht erwartetes und völlig unentgeltliches
Ereignis. In der Eucharistie enthüllt sich, dass der Plan
Gottes ein Plan der Liebe ist. In ihr steigt der Deus Trinitas,
der in sich Liebe ist (vgl. 1 Joh 4,7-8), hinab in den hingegebenen
Leib und in das von Jesus Christus vergossene Blut und wird zu
Speise und Trank, die das Leben des Menschen nähren (vgl.
Lk 22, 14-20; 1 Kor 11, 23-26).
Wie die beiden Jünger von Emmaus, die, wiederbelebt durch
das eucharistische Staunen, ihren Weg wieder aufnahmen (vgl .Lk
24, 32-33), so ist auch das Volk Gottes, das sich der Kraft des
Sakramentes hingibt, getrieben, die Geschichte aller Menschen
zu teilen.
Johannes Paul II. wollte mit großer Weitsicht, die sofort
von Benedikt XVI. aufgegriffen worden ist, den Gewinn aus dem
Großen Jubiläum im speziellen Jahr der Eucharistie
fortführen [4] und legte fest, dass diese XI. Ordentliche
Vollversammlung der Bischofssynode der Eucharistie, Quelle und
Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche gewidmet
werden solle. Die festliche Eucharistiefeier, mit der wir gestern
in der Petersbasilika begonnen haben, hat uns objektiv für
jene Haltung des Staunens geöffnet, die, wenn wir ihr während
unserer Arbeiten angemessen nachkommen, dazu beitragen wird,
der Kirche in der ganzen Welt zu helfen, die zentrale Rolle und
die Schönheit der Eucharistie wiederzufinden.
Warum ist die Eucharistie das faszinierende Herz des Lebens des
Gottesvolkes, das für die Rettung der gesamten Menschheit
gedacht ist? Weil sie in der heutigen Geschichte Jesus Christus
als vollendeten Sinn der menschlichen Existenz in all ihren persönlichen
und gemeinschaftlichen Dimensionen enthüllt und präsent
macht [5]. Das belegt sich auf anthropologischer, kosmologischer
und sozialer Ebene.
“
Im Geheimnis des Fleisch gewordenen Wortes findet das Geheimnis
des Menschen wahres Licht” [6]: in der Eucharistie enthüllt
diese zentrale versöhnende Aussage ihren ganzen Realismus.
In Brot und Wein, Früchte des Bodens und der Arbeit, wird
die totale Hingabe des Menschen, eins in Körper und Seele
[7], seiner Gefühle und seiner Handlungen zusammengefasst;
es findet Ausdruck in seiner ständigen Interaktion mit dem
Kosmos und gleichzeitig belegt dies seine ursprüngliche
Solidarität mit allen Menschenbrüdern, ausgehend von
der Familie und der ihm am nächsten stehenden Gemeinschaft
bis zu den am weitesten entfernten Grenzen der Erde.
In der eucharistischen Gabe wird dem Gläubigen der Zugang
zur lebendigen und persönlichen Wahrheit möglich gemacht,
die “wirklich frei macht” (vgl. Joh 8, 36). In der
Eucharistie erhält die Aufforderung Jesu “Wenn du
vollkommen sein willst” (Mt 19, 21) ihre volle Wirkung.
Der Mensch wird provoziert, aus sich heraus auf die anderen und
die gesamte Realität zuzugehen, damit der unauslöschliche
Wunsch nach Glück, den er in seinem Herzen trägt, erfüllt
werde [8]. In der Eucharistie wird Jesus konkret der Weg für
jene Wahrheit, die das Leben schenkt (vgl. Joh 14, 6) [9].
In Ihr wird die Kirche, die gleichzeitig personal und sozial
ist, ein Volk der Völker, jene bewundernswerte ethnische
Einheit sui generis, über die Paul VI. sprach [10].
Quelle und Gipfel des Lebens und der Mission der Kirche “ist
das gesamte Triduum Paschale, aber dieses ist für immer
in der eucharistischen Gabe wie gesammelt, vorweggenommen und
konzentriert”, da es “eine geheimnisvolle‘Zeitgleichheit’ zwischen
jenem Triduum und dem Lauf der Jahrhunderte umsetzt” [11].
Darum findet sich seit 2000 Jahren das heilige Volk Gottes, gleichgültig,
welcher Generation, Schicht, Rasse oder Kultur es angehört,
jeden Sonntag in der ecclesia eucaristica zusammen, um öffentlich
den eigenen Glauben zu bekennen. Die Eucharistie enthüllt
tatsächlich in sich selbst und in ihrer Verbindung mit den
sieben Sakramenten die ganze Tragweite des Geheimnisses des Glaubens
[12]. Dies erklärt konkret, warum auch in den Zeiten und
an den Orten der größten Mühen für die Kirche
diese, unterstützt vom Geist, niemals gefehlt hat. Die 2000
Jahre alte Praxis [13], die sonntägliche eucharistische
Handlung in den Mittelpunkt zu stellen, hat dazu beigetragen.
Dies sind, extrem zusammengefasst, die Gründe, die das eucharistisch
Staunen in Männern und Frauen jeder Zeit und jedes Ortes
auslösen können. Die vorliegende Relatio ante disceptationem
möchte diese ein wenig ausleuchten. Im vorbereitenden Rahmen,
der zunächst von den Lineamenta und dann von dem Instrumentum
laboris aufgezeigt wird, die keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit
erheben, aber ohne die wichtigsten Probleme zu umgehen, hat diese
lediglich den Zweck, den Dialog zwischen den Synodenvätern
zu eröffnen.
Der Einfachheit halber nehme ich die Gliederungen vorweg. Nach
dem Bezug auf das eucharistische Staunen hebt die Einführung
(Eucharistie: die Freiheit Gottes kommt der Freiheit des Menschen
entgegen) die Verbindung zwischen der Eucharistie und der Evangelisation
und mit der ratio sacramentalis der Offenbarung hervor. Im Ersten
Kapitel Das Novum des christlichen Kultes werde ich versuchen,
die Neuheit des christlichen Kultes in den Mittelpunkt zu stellen.
Das Zweite Kapitel (Die eucharistische Handlung) wird die Eucharistische
Handlung in ihren Unterscheidungselementen und in der notwendigen
Verbindung zwischen ars celebrandi und actuosa participatio behandeln.
Ein Drittes Kapitel (Die anthropologische, kosmologische und
soziale Dimension der Eucharistie) will zeigen, wie die Eucharistie
in sich liegend eine anthropologische, eine kosmologische und
eine soziale Dimension besitzt. Die Schlussfolgerungen (Das eucharistische
Dasein in den gegenwärtigen Mühen) wird eine kurze
Zusammenfassung des behandelten Themas bieten, um mit einem kurzen
Wunsch zu unseren Arbeiten abzuschließen.
II. Die Eucharistie bringt Evangelisation mit sich
Die vom Instrumentum laboris, das angesichts dieser Synodenversammlung
vorbereitet worden ist, gesammelten Angaben, belegen, dass die
Eucharistische Praxis in den großen Bereichen des Globus
sehr vielfältig ist. Dies hat sicherlich mit ihren bedeutenden
kulturellen Unterschieden zu tun, die sich auch klar in der Qualität
der Teilnahme an der Eucharistie ausdrücken, die ihrerseits
mit der Echtheit der ars celebrandi verbunden ist.
Eine besondere Hervorhebung drängt sich aber auf. Das Erlöschen
des Eucharistischen Staunens hängt, in letztlicher Betrachtung
von der Endlichkeit und der Sünde des Einzelnen ab. Häufig
findet dieser jedoch ein fruchtbares Terrain in der Tatsache,
dass die christliche Gemeinschaft, die die Eucharistie zelebriert,
weit entfernt von der Realität ist. Sie lebt auf abstrakte
Weise. Sie spricht nicht zum konkreten Menschen, zu seinen Gefühlen,
zu seiner Arbeit, zu seiner Ruhe, zu seinen Bedürfnissen
der Wahrheit, der Güte und Schönheit. Auf diese Weise
begleitet die eucharistische Handlung, die von den alltäglichen
Bedürfnissen getrennt ist, den Gläubigen nicht mehr
während des Reifungsprozesses seines Ichs und in seiner
Beziehung zum Kosmos und der Gesellschaft.
Die Synodenversammlung muss diesen Stand der Dinge aufmerksam
untersuchen und mögliche Lösungen aufweisen. Sie kann
sich nicht darauf beschränken, die Zentralität der
Eucharistie und des dies Domini zu bestätigen. Objektiv
steht diese außer Diskussion, aber die Schwierigkeit liegt
darin, das Staunen, das von der Eucharistie ausgelöst wird,
in den zahlreichen nicht praktizierenden Getauften (in einigen
europäischen Ländern übersteigen sie 80%) wieder
herzustellen. “Bevor die Menschen sich der Liturgie nähern
können - das dürfen wir nicht vergessen - ist es notwendig,
dass sie zum Glauben und zur Umkehr aufgerufen werden” [14].
Die Verkündung und das persönliche und gemeinschaftliche
Zeugnis Jesu Christi gegenüber allen Menschen sind also
unabdingbar für die Schaffung vitaler und offener christlicher
Gemeinschaften. Außerdem fordert das Leben dieser Gemeinschaften
eine systematische Ausbildung zum “Gedanken Christi” (1
Kor 2, 16) (Katechese - ganz besonders jene für die christliche
Initiation der Kinder und Erwachsenen - Kultur). Diese erfolgt über
die Ausbildung zum Unentgeltlichen (Barmherzigkeit, Einsatz sozialer
Teilung). Sie fordert eine universelle Kommunikation des neuen
Lebens in Christus (Mission). In einem Wort, die begründenden
Faktoren der Evangelisation und der Neuevangelisierung sind grundlegende
Implikationen der eucharistischen Handlung.
III. Die Eucharistie und die ratio sacramentalis der Offenbarung
Das II. Vatikanische Konzil hat vor allem in der Dogmatischen
Konstitution Dei Verbum die Eigenschaft der Offenbarung als Ereignis
hervorgehoben. Sie hat so eine solide doktrinale Grundlage für
den Eucharistischen Realismus geliefert, der allein die Zeitgleichheit
zwischen dem heilbringenden österlichen Triduum und den
Menschen jeder Zeit garantiert. Die Konstitution vertieft die
Lehren des I. Vatikanischen Konzils in christozentrischem Schlüssel.
Die Offenbarung erfüllt und vervollständigt sich in
der Person und der Geschichte Jesu Christi, wahrer Mensch und
wahrer Gott, gekreuzigt, gestorben und wieder auferstanden für
uns Menschen und unser Heil [15]. In seinem Erlösungswerk
enthüllt Er das barmherzige Angesicht des Vaters über
die Kraft des Geistes des Auferstandenen, Er macht uns zu Kindern
im Sohn (vgl. Eph 1, 5). “Nomen Trinitatis publicando” [16].
Jesus Christus löst über die völlige Hingabe seines
unschuldigen Lebens das Geheimnis des Menschen und verleiht so
dessen Freiheit Wert, indem er ihm die Freiheit schenkt, über
sich selbst zu entscheiden. Jesus Christus fordert von der Freiheit
eines jeden Menschen über den Gehorsam gegenüber dem
Glauben Seine Gabe in jeder Handlung der menschlichen Existenz
aufzunehmen (vgl. Apg 3, 20). Diese Aufnahme fordert ihrerseits
vom Menschen eine totale Hingabe seiner selbst (vgl. Mt 19, 21).
Daraus folgt der Ausschluss jeder magischen Konzeption des Sakraments
im Allgemeinen und der Eucharistie im Besonderen.
Das einzige und unwiederholbare Ereignis des Triduum Paschale
wurde von Christus selbst beim Abendmahl mit den Seinen vorweggenommen,
das Er so sehr gewollt hat (vgl. Lk 22, 15). Mit seinen Aposteln
bei Tisch im Abendmahlssaal sitzend, hat Jesus die Eucharistie
eingesetzt. Über die Gabe des Heiligen Geistes, die es möglich
macht, den Befehl “Tut dies zu meinem Gedächtnis” umzusetzen
(Lk 22, 19; 1 Kor 11, 25), öffnet Er dem Gläubigen
jeder Zeit die Möglichkeit, an der Erlösung teilzuhaben.
In der Eucharistischen Handlung trifft tatsächlich die Freiheit
Gottes auf die Freiheit des Menschen. Ausgehend von diesem Treffen
der Freiheit des Christen, das von der Anerkennung der Gabe Gottes
und der Kommunion mit Ihm und den Brüdern gekennzeichnet
ist, ist er angetrieben, seinem ganzen Leben eine eucharistische
Form [17] zu geben. Darum kommt in der Eucharistie auf hervorragende
Weise das zum Ausdruck, was Fides Et Ratio die “ratio sacramentalis
der Offenbarung” nennt [18]. Sie erlaubt es dem Gläubigen
zu entdecken, dass über alle Umstände und alle Beziehungen,
aus denen objektiv die menschliche Existenz besteht, die Menschwerdung
Jesu Christi die Freiheit des Menschen zu einer progressiven
Verbindung mit dem Leben der Dreifaltigkeit auffordert. Er wird
in dieser Erfahrung von Jesus selbst begleitet: “Ich bin
bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt” (Mt 28,20). Darum
versichert er der christlichen Gemeinschaft Seine liebevolle
Präsenz: “wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt
sind, bin ich mitten unter ihnen” (Mt 18,20). So lebte
seit Anbeginn die urchristliche Gemeinde: “Sie hielten
an der Lehre der Apostel fest, am Brechen des Brotes und an den
Gebeten” (Apg 2,42). Auf das Leben dieses Volkes Gottes,
das die Geschichte durchläuft, wirft die eschatologische
Perspektive, in die Jesus seit ihrer Einsetzung die eucharistische
Handlung gesetzt hat, ein strahlendes Licht: “Ich sage
euch: Von jetzt an werde ich nicht mehr von der Frucht des Weinstocks
trinken, bis zu dem Tag, an dem ich mit euch von neuem davon
trinke im Reich meines Vaters” (Mt 26,29; Mk 14,25; Lk
22,18).
Die ratio sacramentalis im Geheimnis der Fleischwerdung, des
Todes und der Auferstehung Jesu Christi beweist, dass das Leben
eines jeden Menschen objektiv Berufung ist. Jeder Zustand des
Lebens [19] - Ehe, Priesterstand, geweihte Jungfräulichkeit
- erhält vom eucharistischen Mysterium die letzendliche
Wurzel seiner Form. In der Eucharistischen Berufung findet daher
jeder Gläubige den Ursprung und den Sinn seiner Berufung,
die seiner Existenz eine Eucharistische Form verleiht.
ERSTES KAPITEL
Das Novum des christlichen Kultes
Der wichtige Anhaltspunkt der zweitausendjährigen Praxis
der sonntäglichen Eucharistiefeier, der entscheidend für
die Entstehung und das Wachstum der christlichen Gemeinschaften
aller Zeiten und Orte ist, ist kein Zufall. Dieses Primat der
Eucharistie als Handlung kann ausgehend von der ratio sacramentalis
der Offenbarung, aus der es entspringt, völlig erklärt
werden, aus der die eucharistische Form des christlichen Lebens
entspringt. Darum müssen wir mit Entschlossenheit die Vertiefung
der eurcharistischen Handlung, Quelle und Höhepunkt des
Lebens und des Auftrages der Kirche, in den Mittelpunkt unserer
Arbeiten über die Eucharistie stellen. Diese Wahl erlaubt
es, jede falsche Gegenübersetzung zwischen Theologie und
Liturgie zu überwinden.
I. Die “logike latreía” (Rm 12, 1)
Auch wenn man, gemeinsam mit den Forschern, eine gewisse differenzierte
anthropologische Kontinuität mit den Riten der verschiedenen
religiösen Formen erkennen kann - besonders mit den Opferriten
im Nahen Osten der Antike, mit den hellenistischen Abendmahlen
und besonders mit den heiligen Mahlzeiten des Judentums in der
hellenistischen Epoche - erkennen heute alle an, dass die Eucharistie
Christi im Letzten Abendmahl einem novum Leben verliehen hat.
Die Institution der Eucharistie fügt sich in ein rituelles
Abendessen ein, dessen österlicher Kontext nunmehr nachgewiesen
ist (vgl. Mt 26,19-20; Mk 16-18; Lk 22,13-14; Joh 13, 1-2) [20],
als jene einzigartige Tat, mit der Jesus die Jünger mit
seiner Todesstunde und Mission verbindet und das Opfer seines
Osterfestes vorweg nimmt, der definitive Weg für das Kommen
des Reiches. Durch das Essen Seines Leibes und das Trinken Seines
Blutes, sind die Jünger Christus einverleibt - so verwirklicht
sich die Kommunion, die die Kirche begründet.
Beim Letzten Abendmahl sprach Jesus Christus “zu den Aposteln
auch mit Worten, die den Inhalt des Gesetzes und der Propheten
beinhalten” [21], er bringt Sich selbst als einziges dem
Vater entsprechendes Opfer dar (vgl. Mt 26, 26-28; Mk 14, 22-24;
Lk 22, 19-20; 1Kor 11, 23ff). In diese Handlung bezieht er auch
die Jünger mit ein, nicht um eine formelle und traurige
Erinnerung an seine Person und seine Handlung zu erwecken, sondern
für eine dauerhafte und aktive Teilnahme der Jünger
an seinem Opfer bis zum Ende der Welt: “tut dies zu meinem
Gedächtnis” (Lk 22, 19).
So entsteht der unauflösbare Bund, der die Eucharistie an
die Kirche bindet und die Kirche an die Eucharistie. Es ist kein
Zufall, dass von Anfang an der technische Begriff ecclesia für
die eucharistischen Zusammenkünfte der Christen verwendet
wird (vgl.1Kor 11, 18; 14, 4-5.19.28). “Die Kirche lebt
seit ihrem Anbeginn von der Eucharistie. In ihr findet sie den
Grund ihrer Existenz, die unerschöpfliche Quelle ihrer Heiligkeit,
die Kraft der Einheit und denBund der Kommunion, den Impuls ihrer
evangelischen Lebendigkeit, das Prinzip ihrer Aktion zur Evangelisation,
die Quelle der Barmherzigkeit und den Elan für den menschlichen
Aufstieg, die Vorwegnahme in der Glorie beim ewigen Festmahl
der Hochzeit des Lammes (vgl. Apg 19, 7-9)” [22]. Die Eucharistische
Handlung taucht in all ihrer Stärke als Quelle und Höhepunkt
der kirchlichen Existenz des Christen auf, da sie gleichzeitig
sowohl die Entstehung als auch die Vollendung des neuen und definitiven
Kultes, die logike latreía ausdrückt: “Ich
ermahne euch, meine Brüder, euch selbst selbst als lebendiges
und heiliges Opfer darzubringen, das Gott gefällt; das ist
für euch der wahre und angemessene Gottesdienst (logike
latreía)” (Röm 12, 1). In dieser paulinischen
Vision des neuen Kultes als Opfer der eigenen Person - “Mache
er aus uns ein ewiges, Dir angenehmes Opfer” [23], wird
jegliche Trennung zwischen Heiligem und Weltlichem definitiv überschritten.
Der christliche Kult ist keine Einfügung innerhalb einer
Existenz, die in einem weltlichen Umfeld gelebt wird. Es ist
auch keine reine Opferhandlung und Wiedergutmachung der Beleidigungen
oder der Abstandnahme vom Blick Gottes. Der neue christliche
Kult wird zum Ausdruck der gesamten erneuerten Existenz: “Ob
ihr also esst oder etwas anderes tut: tut alles zur Verherrlichung
Gottes” (1 Kor 10, 31). Jede freie Handlung des Christen
ist damit aufgerufen, eine Handlung des Kultes zu sein. Ausgehend
davon erhält die in sich eucharistische Natur der christlichen
Spiritualität Form.
Da die Eucharistie, Höhepunkt der sieben Sakramente [24],
in sich alles Menschliche in seiner historischen Dichte zusammenfasst,
macht sie Tag um Tag die fortschreitende Verklärung des
Menschen möglich, der dazu bestimmt und durch die Gnade
aufgerufen ist, Abbild des Sohnes selbst zu sein (vgl. Eph 1,4-5).
Man denke an die außerordentliche Wirkung der Taufe: Wir
entdecken, dass die Kinder, die mit Christus in der Kirche ein
Leib sind, unsere sind, weil sie die Kinder unseres Vaters im
Himmel sind. Die Firmung enthüllt den Firmanden, die aufgerufen
sind, Zeugnis davon abzulegen, dass Gefühle und Arbeit ihre
Wahrheit durch die Gabe des Geistes des verstorbenen und auferstandenen
Jesus Christus erhalten. Durch das Sakrament wird die grundlegende
Erfahrung des Gefühlslebens, die Ehe, von der Kirche dem
Herrn anvertraut. Er allein kann das “für immer” der
Liebe verwirklichen, das jede Braut und jeder Bräutigam
im Herzen hat, wenn sie oder er wirklich liebt. Ist es nicht
die menschlichste und zärtlichste Beachtung der Freiheit
- die oft von der Sünde verletzt wird - die die Kirche uns
anbietet, wenn sie uns zur Versöhnung mit Gott und den Mitbrüdern
durch das Sakrament der Buße auffordert? Wenn dann der
Mensch in seinem eigenen Fleisch verletzt wird durch die unvermeidliche
Prüfung der Krankheit, drückt die Krankensalbung die
besondere Nähe zu Jesus aus, der selbst gelitten hat und
für uns gestorben und auferstanden ist. Eine ganz besondere
Nähe, wenn sie von der regelmäßigen Möglichkeit
für die Kranken begleitet wird, die Kommunion und, wenn
nötig, die Letzte Ölung zu empfangen. Und dies, damit
wir eine sofortige Heilung erfahren und in jedem Fall nicht die
Hoffnung verlieren, ihn ihm aufzuerstehen, ihn so wiederzusehen
und uns erneut in unserem wahren Leib zu treffen. Einige sind
nicht durch ihre Verdienste, sondern durch die Initiative des
Geistes Jesu zum Dienste des Gottesvolkes berufen als geweihte
Diener (Sakrament des Geweihten Lebens)
Auf diese Weise bezeugt das liturgische Leben unserer Gemeinden,
wie im konnkreten Verlauf des menschlichen Lebens - Geburt, Beziehungen,
Liebe, Schmerz, Tod, Leben nach dem Tod - Jesus den Menschen
jeden Tag und in jeder Situation allen Menschen gegenwärtig
wird (25). Im aufgezeigten Rahmen kommt erneut die Kraft der
ratio sacramentalis des katholischen Geistes hervor.
II. Die Bedeutung des Eucharistischen Ritus
Aus dieser von der christlichen Eucharistie ausgehenden Sicht
bekommt nicht nur der Kult, sondern auch der Ritus eine radikal
neue Physionomie. Und zwar die von Christus selbst, der durch
die Gabe seines Geistes die Seinen an der Präsenz des
Vaters zugelassen hat für “die Ausübung des
priesterlichen Dienstes” (26).
Aufgrund seiner Natur als Quelle der logike latreía wird
die rituelle eucharistische Handlung objektiv auch die wichtigste
und grundlegendeste aller menschlichen Handlungen. Tatsächlich
dringt im eucharistischen Ritus zu einem genauen Zeitpunkt die
vollkommene Bedeutung der Geschichte, also ihre Wahrheit ein.
Auf diese Weise wirkt der eucharistische Ritus eine Diskontinuität
in der Folge der täglichen menschlichen Gegebenheiten, aber
gerade in dem von dieser Diskontinuität geöffneten
Raum lernt der Mensch sich für die Wahrheit zu entscheiden,
die ihm objektiv im Ritus selbst geschenkt wird. Diese Entscheidung
wird im Glauben getroffen: Sie kann sich mit der geschenkten
Wahrheit nur durch die vollkommene Hingabe seiner selbst verbinden.
Die eucharistische Handlung ist daher Quelle und Höhepunkt
des christlichen kirchlichen Daseins, gerade durch die Feier
des Ritus selbst, der in seiner substantiellen Vollkommenheit
angemessen den vom christlichen Volk gelebten Glauben ausdrückt.
Zeitlich und örtlich in das Gewebe des täglichen Lebens
eingeflochten, aber gleichzeitig “von oben” kommend,
da es ein Sakrament ist, d. h. ein wirksames Zeichen und Werkzeug
der göttlichen Gnade, wird das eucharistische Ritual ein
Paradigma des ganzen menschlichen Daseins (27). Der eucharistische
Ritus ist kein Zufall im Hinblick auf das persönliche und
soziale Dasein, noch ist es dem unvermeidlichen Sein des Menschen
für die Welt fremd, sondern der Mittelpunkt des wirklichen
Lebens der neuen Schöpfung (vgl. 2 Kor 5,17; Gal 6,15).
Sein Dasein ist vollkommenen menschlich, dennoch geschichtlich
aber zugleich aufgrund des eucharistischen Gedenkens des geschenkten
Leibes und des vergossenen Blutes des auferstandenen Gekreuzigten
lebt es bereits in der ewigen Vision der Auferstehung (vgl 1
Kor 15,19-22) (28). In der eucharistischen Handlung ist die irdische
Liturgie eng mit der himmlischen Liturgie verbunden (29). Der
Austausch der Gemeinschaft zwischen den Lebenden und den Toten,
in der die Fürbitte für die Verstorbenen ein wichtiger
Ausdruck ist, ist ein immerwährendes Zeugnis des Glaubens
der Kirche im untrennbaren Band zwischen irdischem und ewigem
Leben (30).
Diese einheitliche Sicht der eucharistischen Handlung als Herzstück
des ganzen christlichen Daseins war schon immer im kirchlichen
Bewusstsein gegenwärtig. Von der Einfühlung mit dem
Handeln Jesu, so wie sie vom biblischen Kanon weitergegeben wird,
zur traditio, die es mit ihrem unaufhörlichem Rhythmus von
der Weitergabe und Empfang in Raum und Zeit weiterführt;
von den verschiedenen liturgischen Formen der ersten Jahrhunderte,
die noch in den liturgischen Riten der Ostkirchen sichtbar sind,
bis zur vorherrschenden Festlegung des römischen Ritus;
von den genauen Indikationen des Trienter Konzils und des Missale
von Pius V. bis zur liturgischen Reform des Zweiten Vatikanischen
Konzils: Jede Etappe des Lebens der Kirche bestätigt, dass
die Eucharistische Handlung, Quelle und Höhepunkt des christlichen
kirchlichen Daseins dem sakramentalen Ritus entspricht, der den
neuen und endgültigen Kult (logike latreía) erzeugt
und ausführt.
Die Betrachtung des Ritus in seinem Ganzen erlaubt es, jede Zersplitterung
und Nebeneinanderstellung von eucharistischer Handlung und den
Bedürfnissen der neuen Evangelisation zu vermeiden, die
von der Zeugnisverkündigung in alle Gebiete des menschlichen
Daseins bis zu den notwendigen anthropologischen, kosmologischen
und sozialen Verwicklungen reichen, die die Eucharistie objektiv
vorbringt. Sie erlaubt zugleich der christlichen Gemeinde auch
eine genaue Treue gegenüber den liturgischen Sammlungen
und eine aufmerksame Anpassungsfähigkeit gegenüber
der Inkulturation.
III. Die Eucharistiefeier erzeugt die Kirche
Das eucharistische Staunen der beiden Jünger von Emmaus
wirft die Strahlen des Wunders der liturgischen Handlung auf
die Feier der Eucharistie. Sie ist die kultische Handlung, die
aufgerufen ist, auf eine festigende Weise das einzige Oster-Ereignis
auszudrücken.
Im letzten Abendmahl zeigt Jesus ganz klar mit seinen Gesten
und mit seinen Worten das innere Band zwischen der Ankunft des
Reiches des Vaters und seine persönliche Bestimmung (vgl.
Mt 26,29; Mk 14,25; Lk 22,15-16; Joh 12,23-24). In der verwandelnden
Identifikation von Brot und Wein, mit dem Leib und Blut Christi
(Realpräsenz [31]), nimmt das letzte Abendmahl sakramental
Teil am Opfer des neuen Osterfestes, das der Vater erfüllt
mittels der Form, im Sohn und mit dem Wirken des Heiligen Geistes,
das die erlösende Rettung bezeichnet: Dann nahm er das Brot
und sagte Dank, brach es, reichte es seinen Jüngern und
sagte: “Das ist mein Leib, der für euch hingegeben
wird”. Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: “Das
ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes, mein Blut, das für
euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Tut dies zu meinem Gedächtnis”“ (Lk 22,19-20).
Niemanden entgeht die Schwierigkeit, die mit der sakramentalen
Sprache in der Schrift und in der Tradition der Kirche [32] verbunden
ist, gegenüber der heutigen Kultur [33]. Dennoch, wenn man
die ganze Prägnanz des bedingungslosen Geschenkes respektieren
will , das Jesus Christus selbst macht, erscheint heute die Wiederentdeckung
des Verständnisses des eucharistischen Opfers dringend.
Jesus Christus ruft die Seinen zu jener Form des integralen Kultes
(logike latreía), das Opfer seines Lebens, in dem der
Christ nach und nach über die volle, bewusste und aktive
Teilnahme an der Eucharistiefeier geformt wird [34].
Die Aufforderung, Seinen Leib zu essen und Sein Blut zu trinken
(Kommunion) liegt begründet im sicheren Weg der Erlösung
(vgl. Joh 6,47-58) [35]. Deswegen erfährt in Erinnerung,
auch in Kontinuität mit dem jüdischen Paschafest (vgl.
Dtn 16,1ff), die konkrete körperliche Aufnahme der eucharistischen
Gestalten, den Schutz vor jeder intellektuellen Reduzierung des
Glaubens. Die Frucht dieser Handlung ist die sakramentale Kommunion
mit Christus (vgl. 1 Kor 10,16), die durch die Liebe, mit der
der Geist das Fleisch des Auferstandenen verherrlicht, möglich
wird. Derselbe Geist, der Christus zu einem vollkommenen Geschenk
gemacht hat, treibt von sich aus die Seinen an, im Gehorsam den
Glauben aufzunehmen, er sorgt dafür, in ihm zu bleiben und
so das Leben zu bekommen wie Jesus es von seinem Vater bekommen
hat (vgl. Joh 14,26;16,12).
Dieses Sakrament ist gegeben für die Gemeinschaft der Menschen
mit Christus. Für Paulus ist die koinonia die Frucht der
Eucharistie, durch die die Christen eins werden in Christus,
sie werden ein Leib und nehmen teil an dem einen Geist (vgl.
1 Kor 10,16-17) (36). Sie stiften das neue Volk Gottes, das geführt
von den Nachfolgern der Apostel cum et sub dem Nachfolger Petri
mit der sicheren Hoffnung durch die Geschichte gehen, dass der
Auferstandene Jesus die Sicherheit ihrer persönlichen Auferstehung
begründet hat (vgl. 1 Kor 15,17-20)
Außerhalb dieser eucharistischen und sakramentalen Kommunion
der Kirche ist nichts vollkommen begründet [37]: Die Eucharistie
erzeugt die Kirche. Das neue Gottesvolk (der kirchliche Leib)
beginnt den eucharistischen Leib Christi darzustellen, der von
der sakramentalen Präsenz des Leibes Jesu kommt, geboren
von der Heiligsten Jungfrau Maria [38]. Der kirchliche Leib kommt
so zu seiner wirklichen Form als Leib Christi, gegenwärtig
in der Zeit und in der Geschichte durch das Band, das ihn untrennbar
verbindet mit dem eucharistischen Leib Christi [39]. Gerade in
der rituellen Feier der Eucharistie verwirklicht die Kirche die
Form ihrer Identität durch die Liebe Gottes für das
versammelte Volk.
1. Eine erste Bekräftigung: der Bischof, der Liturg par
excellence
Dies wird noch klarer, wenn man in die ehrwürdige Tradition
schaut, die immer wieder den Bischof als Liturgen und als Verwalter
der Sakramente schlechthin anerkannt hat [40]. Der Bischof sitzt
nicht der Eucharistie vor, was allein juristisch begründet
ist, weil er das Oberhaupt der Ortskirche ist; aus Treue gegenüber
dem Befehl des Herrn hat er das Gedächtnis seines Osterfestes
Petrus und den Aposteln übergeben. Er hat sie zu Verkündern
seines Glaubens gemacht und sie zu den ersten Verantwortlichen
für die Verkündigung des Evangeliums in der ganzen
Welt gemacht. Aus diesem Grund „ist der Diözesanbischof
der Führer, der Förderer und Behüter des ganzen
liturgischen Lebens. Die Feiern, die unter seinem Vorsitz stattfinden,
vor allem die Feier der Eucharistie, die er mit der Teilnahme
des Presbyteriums, der Diakone und des Volkes feiert, äußert
sich das Geheimnis der Kirche“ [41]. Dies ist auf besondere
Weise offenkundig in der geordneten Konzelebration der Eucharistie, „die
auf geeignete Weise die Einheit des Priestertums ausdrückt“ [42].
Die Gemeinschaft mit dem Bischof ist die Bedingung, die die Feier
der Eucharistie im Wohlwollen des Volkes Gottes legitimiert.
Noch einmal kommt die Fruchtbarkeit der ratio sacramentalis der
Offenbarung ans Licht. Das kirchliche Subjekt (personal und gemeinschaftlich)
nimmt nicht vollständig teil an der Erlösung, wenn
es nicht die sakramentale Weise aufnimmt, die die Form bildet,
die Jesus gewählt hat, um im menschlichen Leben zu verbleiben.
2. Eine zweite Bekräftigung: die Natur des christlichen
Tempels
Eine zweite Bekräftigung wie auf konkrete Weise die Feier
der Eucharistie die Kirche macht, ist die radikale Verschiedenheit
zwischen dem christlichen und dem heidnischen Tempel oder auch
dem jüdischen Tempel. Während der heidnische und der
jüdische Tempel gekennzeichnet waren durch die Präsenz
der Gottheit, aufgrund der sie als heilig und heiligend betrachtet
wurden, besteht der „Ort“ des christlichen Kultes
in gewissem Sinne aus der Handlung der Feier des Mysteriums.
Die Vokabel ecclesia bezeichnet die Christen, die zusammen kommen.
Erst später ist man dazu übergegangen, mit diesem Wort
auch den Ort selbst zu bezeichnen, an dem sich während dieser
Vereinigung die Gegenwart Gottes verwirklicht.
Im heidnischen und in einem gewissen Sinne auch im jüdischen
Tempel ist das Treffen der Gläubigen eher zufällig,
aber im Falle des christlichen Kultes bildet es den Tempel selbst.
Die einzelnen Gläubigen sind Steine des lebendigen Tempels
(vgl. 1 Petr 2,5). Der Geist ist der Zement, der sie vereint
(vgl. Eph 2,22).
Dies erklärt die Sorge, mit der die Kirche immer wieder
Anweisungen für die sakrale Architektur und Kunst gibt [43].
Die Tempel sollen für die liturgische Versammlung in actu
celebrationes entworfen werden, als ‘Erscheinung’der
communio hierarchica, die die Kirche ist.
3. Eine dritte Bekräftigung: die “Interkommunion”?
Ein sehr heikles pastorales Problem ist mit dem ökumenischen
Bereich verbunden; er erlaubt eine weitere Überprüfung
der Tatsache, dass im Ganzen des Untrennbaren der Zusammenhang
zwischen Eucharistie und Kirche besteht, die Kausalität
der Eucharistie über die Kirche (die Eucharistie erzeugt
die Kirche) ist wesentlich und eigentlich von der Kirche über
die Eucharistie anerkannt (die Kirche erzeugt die Eucharistie)
[44]. Diese Gegebenheit führt zur Betonung des entscheidenden
Gewichtes der Eucharistie in der ökumenischen Praxis.
Es sind nunmehr die zahlreichen Entwicklungen in dieser Sache
bekannt [45] Diese sind gleichzeitig Resultat und Grund der Ökumenischen
Arbeit des 20. Jahrhunderts. Vor allem muss die substantielle
Einheit des Glaubens zwischen der katholischen Kirche und den
orthodoxen Kirchen bezüglich des Themas der Eucharistie
und des Priestertums [46] unterstrichen werden, eine Einheit,
die durch eine größere gemeinsame Vertiefung der Eucharistischen
Feier und der Heiligen Liturgie bestimmt ist zu wachsen. Man
muss darüberhinaus positiv das neue Klima hinsichtlich der
Eucharistie in den kirchlichen Gemeinschaften, die nach der Reform
entstanden sind, begrüßen. Gemäß verschiedener
Grade und mit mancher Ausnahme unterstreichen auch diese Gemeinschaften
immer mehr die Bedeutsamkeit der Eucharistie als Schlüsselelement
im Dialog und in der ökumenischen Praxis.
Auf der Grundlage dieser und anderer Angaben kann man verstehen,
dass auch nach der Formulierung des hier angesprochenen Lehramts
auch weiter folgende Frage aufgeworfen wird: kann die “Interkommunion” der
Gläubigen, die verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften
angehören, ein angemessenes Instrument sein, um den Weg
in Richtung auf die Einheit der Christenheit zu begünstigen?
Die Antwort hängt ab von einer aufmerksamen Berücksichtigung
der Art der eucharistischen Aktion in aller Ganzheit des mysterium
fidei[49]. Die eucharistische Feier ist gemäß ihrer
Natur in der Tat das Bekenntnis des ganzheitlichen Glaubens der
Kirche.
Indem das Opfer von Golgatha in das Letzte Abendmahl eingefasst
wird, verwirklicht der Herr die Verbindung Seiner Person mit
Seinen Jüngern und macht sie allen Gläubigen aller
Zeiten und an allen Orten zugänglich. Die Teilnahme an dieser
Verbindung übertrifft die Kapazität menschlicher Liebe
und ihrer auch edlen Beweggründe. Durch Anhörung des
Wortes, das vollständig realisiert wird in der Annahme der
Darbietung des Leibes und des Blutes Jesu Christi, drückt
die eucharistische Handlung die Vollständigkeit des Glaubens
und der sichtbaren Einheit der Gläubigen aus, zu deren Dienst
Jesus die Apostel als Priester und Hirten sendet.
Nur insoweit die Eucharistie das volle Apostolische Glaubensbekenntnis
in diesem Geheimnis verwirklicht, macht sie die Kirche. Wenn
es die Eucharistie ist, die die wahre Einheit der Kirche garantiert,
würde eine Feier oder eine Teilnahme an der Eucharistie,
die nicht den Respekt aller Faktoren umgreift, die zu ihrer Vollständigkeit
zusammenwirken - jenseits jeder guten Absicht - letztendlich
die kirchliche Einheit in ihrem Ursprung noch weiter trennen.
Die Interkommunion erscheint deswegen nicht als ein angemessenes
Mittel, die Einheit der Christenheit zu erreichen [50].
Diese Behauptung über die Interkommunion schließt
nicht aus, daß man bei besondereren Gelegenheiten unter
Respektierung der objektiven Voraussetzungen [51] einzelne Personen,
die anderen Kirchen oder kirchlichen Gemeinschaften angehören
und nicht in voller Kommunion mit der katholischen Kirche sind,
an der Eucharistischen Kommunion (panis viatorum) zulassen kann.
In diesem Fall spricht man mit notwendiger Strenge, von Eucharistischer
Gastfreundschaft. Es handelt sich dabei um pastoralen Eifer (historisch-erlösend)
der Kirche, die dem besonderen Bedürfnis eines getauften
Gläubigen [52] in einem besonderen Umstand entgegen kommt.
In diesem Fall lässt die Kirche einen nicht-katholischen
Gläubigen zur Eucharistischen Kommunion zu, wenn dieser
spontan darum bittet, seine Zustimmung zum katholischen Glauben
und dem Eucharistischen Sakrament zeigt und spirituell bereit
ist. Die Problematik bezüglich der nicht geeigneten Kategorien
der “Interkommunion” und die Praxis der Eucharistischen
Gastfreundschaft fordern dringend eine neue Überlegung,
angefangen vom dem ihnen inne liegenden Zusammenhang zwischen
Eucharistie und Kirche, über die Beziehung zwischen der
Eucharistischen und der Kirchlichen Kommunion. In diesem Sinne
wäre es behilflich, dass die Synodalversammlung auf dieses
Thema zurück kommt.
Bei der Antwort der nicht mehr aufschiebbaren Dringlichkeit des ökumenischen
Weges darf man jedoch den rechten Weg nicht vernachlässigen.
Die Unmöglichkeit eines Teils der Christen verschiedener
Kirchen und Gemeinschaften, an der Eucharistischen Konzelebration
und an der Eucharistischen Kommunion teilzunehmen, sowie die
Ausnahme der Eucharistischen Gastfreundschaft dürfen nicht
nur Ursache von Leid sein. Sie müssen um so mehr einen permanenten
Stachel darstellen für die ständige und gemeinsame
Vertiefung des mysterium fidei, das von allen Christen Einheit
und ein umfassendes Glaubensbekenntnis fordert.
ZWEITES KAPITEL ***
Die Eucharistische Handlung
Nachdem einige Elemente methodologischem Charakters vorgeschlagen
worden sind, um das novum des Kultes und des christlichen Ritus
erklären zu können, ist es nun angebracht, die Eucharistische
Handlung selbst aus der Nähe zu betrachten. Vor allem werden
die wichtigsten Unterscheidungselemente der Eucharistischen Feier
unter die Lupe genommen. In einem zweiten Teil werden einige Überlegungen über
die ars celebrandi und die actuosa participatio gemacht.
I. Unterscheidungselemente der Eucharistiefeiereier
Ein kurzer Blick auf die Unterscheidungselemente der Eucharistischen
Feier enthüllt die harmonische und gegliederte Kraft der
Einheit des Eucharistischen Ritus. An dieser Stelle will man
nicht umfassend die verschiedenen Momente der Eucharistischen
Feier überdenken, sondern sich darauf beschränken,
nur den essenziellen Kernpunkt zu identifizieren: die untrennbare
Einheit von Wortgottesdienst und der Eucharistiefeier. Ausgehend
von allem, was bisher gesagt worden ist, werden wir sie in ihrer
essentiellen Natur als Geschenk betrachten. Folglich muss man
hervorheben, dass die Gläubigen angesichts der gespendeten
Gegenwart Jesu in der Eucharistie zur Anbetung aufgerufen sind,
und dass sie vor einem so großen Geheimnis ihre Sünden
bekennen und um Vergebung bitten müssen. Man wird auch nicht
versäumen, die Aufgabe (ite missa est) zu erwähnen,
die aufgrund seiner Natur ein solches Geschenk erzeugt.
1. Die untrennbare Einheit des Wortgottesdienstes und der Eucharistiefeier
In der geschichtlichen Entwicklung, die vom letzten Abendmahl
Jesu Christi bis zur Eucharistie reicht und von der die Kirche
noch heute lebt, ist der Form gebende und dauerhafte Kern der
rituellen Handlung durch die enge Einheit zwischen Wortgottesdienst
und Eucharistiefeier gegeben. [53]
In dieser Einheit von “Eulogie” und “Eucharistie” wird
dem Glauben der Jünger Christi das Ostergeheimnis mittels
Anhörung und Erklärung der Heiligen Schrift (Homilie
[54]) gegeben, die untrennbar ist von der Darstellung des Opfers
(Eucharistisches Hochgebet), das in der Kommunion mit Brot und
Wein, die in den Leib und das Blut Christi verwandelt sind, gipfelt
[55]. Das sieht man anhand des Strukturvergleichs der Einsetzungsberichte,
das kann man verstehen anhand der Emmauserzählung, man erhält
Bestätigung davon bei der Beschreibung des gemeinschaftlichen
Lebens der ersten Christen, welche Apostelgeschichte 2, 42 uns
gibt. Gleichermaßen legt ohne Unterbrechung die gesamte
Geschichte der eucharistischen Feier bis hin zu jener des gegenwärtigen
Messbuches davon Zeugnis ab.
Aus dieser untrennbaren Einheit tauchen einige Grundelemente
auf, die die einzigartige Eucharistie von Jesus Christus bilden,
der den Glauben der Christen verwirklicht.
Vor allem die Tatsache, dass der Protagonist der liturgischen
Handlung Jesus Christus ist. Er, der seine Person und seine Geschichte
in den Osterereignissen konzentriert, offenbart sich gleichzeitig
als Priester, Opfer und Altar.
Als Priester wird Jesus Christus durch die Kraft des Geistes
der Pontifex zwischen Gottvater und dem Volk (vgl. Hebr 5, 5-10)
[56]. Wie die Einsetzungsberichte bezeugen, interpretiert er
selbst seine priesterliche Sendung im biblischen Lobpreis und
in der Hingabe als Opfer. Aber Jesus ist gleichzeitig Sühnopfer
(vgl. Joh 2,2;4,10) und in diesem Sinne beinhaltet sein Priestertum
die totale Hingabe seiner selbst, das sich in den Gaben von Brot
und Wein darstellt, die in seinen hingegebenen Leib und sein
vergossenes Blut verwandelt worden sind (Opfergabe [57]), an
denen das Volk physisch teilhat (Abendmahl) [58]). Dieser Priester,
der auch Opfer ist, vollzieht sein Opfer am Kreuz [59]. Ans Kreuz
genagelt, holt er den Himmel auf die Erde und versöhnt (Erlösung)
den Menschen mit Gott (vgl. Eph 2, 14-16; Kol 1, 19-20). Das
Kreuz, errichtet auf dem Berg Golgatha, drückt den gesamten
Kosmos aus und Christus, Priester und Opfer, wird ganz eins mit
dem Kreuz, an das er genagelt ist. Er wird so auch kosmischer
Altar.
Das Wissen darum sollte das fortschreitende Schwächerwerden
des Sinns für das Geheimnis verhindern, dem heute nicht
wenige christliche Gemeinschaften ausgesetzt sind - vor allem
hinsichtlich der eucharistischen Feier. Um nicht in eine sicherlich
nicht-christliche “sakrale” Sicht zu verfallen, riskiert
man sozusagen, aus der Liturgie einen bloßen Ausdruck der “horizontalen” Dimension
der Gemeinschaft zu machen, wobei man die “vertikale” vergisst.
Jesus Christus, einzigartiger und unwiederholbarer Protagonist
des eucharistischen Ritus, beruft im Geiste die Versammlung der
Christen, die aufgerufen ist, auf gegliederte und geordnete Weise
des Glaubens teilhaftig zu werden (Credo), zu den heiligen Geheimnissen,
die für ihn gefeiert werden (Messen pro populo). In der
Stille, im Dialog, im Gesang, in den körperlichen Gesten
entwickelt sich die eucharistische Handlung, durch welche der
Versammlung der Gläubigen das Heil zuteil wird.[60]. In
Bezug auf das bisher Gesagte bemerkt man das Bedürfnis einer
Vertiefung der liturgischen Bildung, die an das gesamte Volk
Gottes gerichtet ist - unsere Katechese sollte die ursprüngliche
mystagogische Dimension der ersten Jahrhunderte wieder herstellen
- und insbesondere an alle, die berufen sind, Aufträge und Ämter
während der Feier auszuführen (Priester, Diakone, Vorleser,
Empfangende, Ministranten, Schola Cantorum).
Was die Gliederung der Aufgaben der Feier angeht, die sich im
Inneren des christlichen Gottesdienstraumes ereignet, der auf
den Altar ausgerichtet ist und dem der Ambo und der Priestersitz
zugeordnet sind, übt der Priester sein besonderes Amt mit
der besonderen Assistenz des Diakons aus. Im entscheidenden Augenblick
der Feier agiert er in persona Christi capitis [61] und stellt,
nach Maßgabe des Weihesakraments, welches nicht zufällig
von Christus selbst innerhalb der Einsetzung der Eucharistie
beim Letzten Abendmahl eingefasst wurde, das sicher, was die
gemeiname Tradition des Ostens und des Westens die economia sacramentale
[62] nennt. Diese ist ein Werk des Heiligen Geistes, der während
der Eucharistie angerufen wird durch die Epiklese, damit er die
substantielle Verwandlung des Brotes und des Weines in Leib und
Blut Christi vollziehe und damit die eucharistische res, die
die Einheit der Kirche[64] ist, bewirke.
Man versteht also, wie die untrennbare Einheit von Wortgottesdienst
und Eucharistiefeier in der sakramentalen Kommunion [65] mündet,
zu der die Gläubigen mit bedeutsamem Realismus, der den
leiblichen Ausdruck in einer Prozession findet, zugelassen werden.
Durch die Aufnahme der geheiligten Gaben nähern sich die
Gläubigen in Wirklichkeit, wie es die Kirche immer praktiziert
hat, an Christus an, an Ihn, verkörpert für ihr Heil
[66] und für das Heil der Welt [67]. Raum und Zeit als nicht
unterdrückbare Koordinaten des menschlichen Lebens werden
im Hinblick auf dieses Heilswirken von der eucharistischen Wandlung
aufgenommen und umgewandelt. Wenn die Gestalt des Kirchenraumes
diese Verwandlung des Raumes ausdrückt, so drücken
auch die Schönheit und die Gliederung des liturgischen Jahres,
beginnend beim österlichen Triduum bis zum dies Domini und
den liturgischen Zeiten, auf eucharistische Weise die Erlösung
von der Zeit aus: Diese ist nicht mehr nur eine Folge von Augenblicken,
bestimmt zum Vergehen, sondern wird zum Sakrament der Ewigkeit.
A. Die eucharistische Gabe: weder Recht noch Besitz
Der Charakter der eucharistischen Wandlung als eine wahre Gabe,
die die Übertragung der Freiheit des Deus Trinitas in Jesus
Christus auf die Freiheit der Menschen impliziert, fordert, dass
seine Unentgeltlichkeit niemals missverstanden wird. Ihr Mangel
verleiht dem Gläubigen und dem Gottesvolk keinerlei Recht
auf die Eucharistie, auch wenn dies großes Leiden hervorruft.
Aus dem selben Grund kann das Geschenk der Eucharistie niemals
götzenhaft vom Menschen “besessen” werden und
verträgt keine quasi gnostische Haltung mit Herrschaftsanspruch.
Auch kann die eucharistische Anbetung sich nicht in einen Blick
auflösen, der die latens deitas zu verstehen begehrt, auch
wenn sich Jesus Christus im Akt größter Erniedrigung
an die Präsenz in Brot und Wein bindet.
A1. Sonntägliche Feiern in Gemeinden, die auf einen Priester
warten
Dem Problem des Priestermangels muß im Horizont der Gabe
der Eucharistie mit Mut entgegengetreten werden. Dieser Stand
der Dinge hat zu beachtlicher Steigerung von “sonntäglichen
Feiern von Gemeinden, die auf einen Priester warten” (Wortgottesdienst
mit oder ohne Verteilung der Kommunion, Feier der Stundengebete
oder Andachten) geführt [68] Bei dieser Gelegenheit ist
die Zugehörigkeit jeder Gemeinde, vor allem der Pfarrgemeinden,
zu einer Diözese zu unterstreichen [69]. Die Eucharistie
hat in den Teilkirchen nie gefehlt. Aus diesem Grund ist es gängige
pastorale Praxis, zur Teilnahme an der Eucharistie in einer der
Gemeinden der Diözese zu ermutigen, auch wenn dies ein gewisses
Opfer erfordert.
Zweitens ist es nützlich, den Gläubigen den im Hinblick
auf die Eucharistie propädeutischen Charakter jeder sonntäglichen
Feier in Gemeinden, die auf einen Priester warten, hervorzuheben.
Dort, wo eine bestimmte Beweglichkeit nicht leicht wäre,
sieht man den Nutzen dieser Versammlungen gerade in deren Fähigkeit
zur Betonung des brennenden Verlangens des Volkes nach der Eucharistie.
Die Opfer bis hin zum Heroismus, die von vielen verfolgten Christen
vollbracht werden, um die Eucharistie leben zu können, zeigen,
wie ihr Mangel niemals von anderen auch bedeutsamen Riten ausgeglichen
werden kann. Wir wollen in diesem Zusammenhang der außergewöhnlichen
eucharistischen Erfahrung des betrauerten Kardinals Van Thuan
während seiner Inhaftierung Hochachtung erweisen.
A2. Viri probati?
Um dem Priestermangel zu begegnen, treiben einige, die von dem
Prinzip salus animarum suprema lex geleitet werden, die Frage
der Weihe verheirateter Gläubiger mit gelebten Glauben und
Tugend, so genannte viri probati, voran. Die Frage ist oft von
der positiven Anerkennung der Güte der weltlichen Disziplin
des priesterlichen Zölibats begleitet. Jene behaupten jedoch,
dass dieses Gesetz nicht verhindern sollte, die Kirche mit einer
bestimmten Anzahl geweihter Diener Gottes zu versehen, falls
der Mangel an Kandidaten für das zölibatäre Priestertum
extreme Ausmaße annehmen sollte. Es ist überflüssig,
an dieser Stelle die tiefgehenden theologischen Gründe,
die die lateinische Kirche dazu veranlassten, die Verleihung
des Priestertums an das Charisma des Zölibats zu binden,
zu vertiefen. Es stellt sich vor allem die Frage: Sind diese
Wahl und diese Praxis auch in extremen Fällen, wie dem erwähnten,
pastoral gültig?
Es scheint vernünftig, darauf positiv zu antworten. Das
geweihte Priestertum, das bis ins Innerste mit der Eucharistie
verbunden ist, nimmt an ihrem Wesen als Gabe teil und kann somit
nicht Gegenstand eines Rechtes sein. Wenn das Amtspriestertum
ein Geschenk ist, so fordert es ununterbrochene Nachfrage (vgl.
Mt 9, 37-38). Es wird sehr schwierig werden, die ideale Anzahl
von Geistlichen in der Kirche festzusetzen, da diese keine “Firma” ist,
die man mit einer bestimmten Anzahl “Führungskräften” ausstatten
könnte!
Auf praktischer Ebene zwingt die unaufschiebbare Dringlichkeit
der salus animarum, die Verantwortung, die jede Teilkirche in
Bezug auf die Weltkirche und deshalb auch für alle anderen
Teilkirchen hat, vor allem an dieser Stelle stark zu betonen.
Deshalb werden die Vorschläge, die in dieser Synodenversammlung
gemacht werden, von großem Nutzen sein, um die Kriterien
für eine angemessenere Verteilung des Klerus in der Welt
zu bestimmen. Der Weg, der diesbezüglich zurückzulegen
ist, scheint noch lang.
Es lohnt vielleicht auch, daran zu erinnern, dass die Vorsehung
im Laufe der Geschichte den prophetischen und erzieherischen
Wert des Zölibats auch unter der Forderung einer besonderen
Zugänglichkeit des priesterlichen Dienstes für das
geweihte Leben unter Beachtung ihres Charismas und ihrer Geschichte
vertreten hat. Hier kann man auf die Praxis der Ordination von
Mönchen in den Ostkirchen oder innerhalb der benediktinischen
Tradition verweisen [70].
2. Die Anbetung
Die Eucharistie als echte Gabe, erlaubt es, eben ausgehend von
einer aufmerksamen Betrachtung des Messritus in seinem Wesen
als liturgische Handlung, eine unangemessene Gegenhaltung zu überwinden,
die sich manchmal vom Zeitalter der Moderne ausgehend, zwischen
der Eucharistie als Mahl, das verzehrt werden muss (Gastmahl)
und der göttlichen anzubetenden Präsenz bildet,.
Wenn es stimmt, dass die eucharistische Anbetung im ersten Jahrtrausend
sich nicht in den heute bekannten Formen ausdrückte, muss
man dennoch behaupten, dass jene von Beginn an im Bewußtsein
des Gottesvolkes gegenwärtig war. Das zweite Jahrtausend
hat deren Wert tiefergehend erklärt, nicht ohne Nutzen zu
ziehen aus der im Mittelalter stattfindenden Kontroverse über
die Realpräsenz und aus jener während der Reformation über
das Verbleiben Christi in den eucharistischen Gaben.
Während des letzten Abendmahls ist das Bewusstsein der Tischgenossen
von der konkreten Gegenwart Christi, der sich mit dem konsekrierten
Brot und Wein (vgl. Mk 14,22-24; Mt 26,26-28; 1Kor 11,24-25;
Lk 22,19-20) identifiziert und Anbetung fordert, überwältigend.
Es ist also nicht zu leugnen, dass die Praxis der eucharistischen
Anbetung, so wie sie heute in der lateinischen Kirche durchgeführt
wird, eine Angelegenheit, die dem Wesenskern des Glaubens an
das eucharistische Mysterium zugehörig ist, offensichtlicher
gemacht hat [71].
Man kann zwischen dem Essen und der Anbetung keine Alternative
setzen, dies würde bedeuten, die Ganzheit der ausgesprochenen
Einheit des eucharistischen Mysteriums nicht in Betracht zu ziehen
[72]. Das eucharistische Mahl ist nicht einzig eine Mahlzeit
in Gemeinschaft sondern ein Geschenk, in dem Christus sich selbst
gibt. Durch die mit dem Essen seines Körpers verbundene
Teilnahme an diesem Geschenk, ist bereits ein Sich- Niederwerfen
in Glaube und Anbetung verbunden [73]. Deshalb sind die Anbetung
des Allerheiligsten, die Feier, aus der es entsteht und in die
es mündet ein Einziges [74]: ”In der Eucharistie muss
die Anbetung zur Union werden”[75] Dieses vollständige
Bewußtsein des Gewichts der Anbetung muss sich bis hin
zur künstlerisch-architektonischen Wichtigkeit der Aufbewahrung
des Allerheiligsten in unseren Kirchen ausdrücken [76].
Man muss jedoch mit Entschiedenheit bekräftigen, dass sowohl
das Essen als auch die eucharistische Anbetung immer ein kirchlicher
Vollzug sind [77]. Sie können also nicht als eine Praxis
individualistischer Frömmigkeit verstanden werden. Christus
während der Konsekration und der Kommunion anzubeten und
Ihn präsent im Tabernakel anzubeten, bedeutet, sich als
Mitglied seines kirchlichen Körpers anzuerkennen und sich
so zu verhalten. Somit erschöpft sich die eucharistische
Zusammenkunft nicht im Akt des Essens, sondern ist eine andauernde
Zusammenkunft, so wie Kraft der eucharistischen Gegenwart das
andauernde Kommen des Herrn in seine Kirche ist [78].
Im Licht der kirchlichen Natur der Anbetung versteht man besser,
warum die christliche Frömmigkeit die eucharistische Anbetung
mit der “Wiedergutmachung” der Sünden der Welt
vereinigt hat: vor dem Herrn sind wir als Glieder Seines Körpers
füreinander verantwortlich [79].
3. Haltung in Beichte und Buße
Das in der Feier der Eucharistie empfangene Geschenk des Leibes
und des Blutes des Herrn, ist der gipfelnde Ausdruck derer, die
sich als Jünger bekennen und sich in die Gemeinschaft mit
Ihm einführen lassen.
Der radikale Unterschied zwischen Ihm, der sich schenkt und dem,
der das Geschenk empfängt, gut belegt in dem Missverhältnis
zwischen dem unermesslichen Reichtum des österlichen Geschehens
und der extremen Armut des Brotes und des Weines, eröffnet
dem Gläubigen das Bewußtsein für das mysterium
tremendum der Eucharistie. Man kann sich Ihr nicht annähern,
ohne die eigene Unwürdigkeit wahrzunehmen und ohne sich
durch die Anrufung zur Vergebung der Sünden darauf vorzubereiten
[80].
So tritt nicht nur die Bedeutung des Aktes der Buße in
den Einführungsriten, die in bestimmten Fällen durch
das Besprengen mit Weihwasser, das auf die Taufe hinweist, feierlich
gemacht werden, sondern vor allem das innerliche Verhältnis
zwischen Eucharistie und dem Sakrament der Versöhnung hervor
[81]. Wenn die Gläubigen, die durch die Taufe in Christus
aufgenommen wurden, eine Todsünde verüben, trennen
sie sich von der Gemeinschaft mit Ihm und mit Seiner Kirche,
die ihren vollständigen Ausdruck in der sakramentalen Kommunion
findet [82]. Dennoch verläßt sie der barmherzige Vater
nicht, sondern mittels der von Jesus selbst [83] gewollten Medizin,
lädt er sie zum freien, persönlichen und demütigen
Schuldbekenntnis ein, um sie mit einer kräftigeren Umarmung
wieder aufzunehmen - durch die Reue, das Bekenntnis der Sünden,
die Lossprechung seitens des Priesters, der auch hier in persona
Christi capitis agiert, und der Buße [84]- in der Gemeinschaft
mit Ihm, der sich auf alle Brüder ausweitet. Aus diesem
Grund kann eine angemessene eucharistische Katechese niemals
von dem Vorschlag eines Weges der Buße getrennt werden
(vgl. 1 Kor 11, 27-29) [85].
In der Einstellung zur Beichte hat auch das eucharistische Fasten
seine Wurzeln, dem in dieser Versammlung einige Überlegungen
zu widmen nützlich wäre.
A Die geschiedenen Wiederverheirateten und die Kommunion
In dieser Hinsicht verdient der besondere Umstand, in dem die
wiederverheirateten Geschiedenen berufen sind, die kirchliche
Gemeinschaft zu leben, außergewöhnliche Aufmerksamkeit.
Niemandem verbirgt sich die weitverbreitete Tendenz, fern der
kirchlichen Lehre, die Kommunion den wiederverheirateten Geschiedenen
zu gewähren.
Man muss feststellen, dass der Grund dieser Tendenz nicht nur
Oberflächlichkeit ist. Über die zu beachtenden unterschiedlichen
Situationen auf den verschiedenen Kontinenten hinaus, muss man
anerkennen, dass - vor allem in Ländern mit langer christlicher
Tradition - sich nicht wenige Getaufte aufgrund einer automatischen
Zustimmung zur Tradition, in der Gemeinschaft der sakramentalen
Ehe vereint haben. Viele von diesen lassen sich scheiden und
heiraten erneut. Einige, die ein christliches Leben praktizieren, äußern
starkes Unbehagen und manchmal bemerkenswerten Schmerz angesichts
der Tatsache, dass die Vereinigung, die einer Hochzeit folgt,
ihnen die volle Teilnahme an der sakramentalen Wiederversöhnung
und der Kommunion verwehrt. Wertvolle doktrinale und pastorale
Anweisungen wurden von Familiaris consortio und von anderen Dokumenten
gegeben [86]. Es ist notwendig, dass die gesamte christliche
Gemeinschaft die geschiedenen Wiederverheirateten in dem Bewusstsein,
dass sie nicht von der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen
sind, auffängt. Ihre Teilnahme an der Feier der Eucharistie
erlaubt in jedem Fall jene geistliche Kommunion, die wenn sie
entsprechend gelebt wird, ein Echo auf das Opfer Jesu Christi
selbst gibt.
Andererseits ist die Kirchenlehre nicht nur darauf ausgerichtet,
das Umsichgreifen einer Mentalität zu verhindern, die gegen
die Unlösbarkeit der Ehe und den Skandal des Volkes Gottes
ist. Sie stellt uns hingegen der Anerkennung der objektiven Verbindung,
die das Sakrament der Eucharistie mit dem gesamten Leben des
Christen und im Besonderen mit dem Sakrament der Ehe eint, gegenüber
[87].
Tatsächlich entspringt die Einheit der Kirche, die immer
Geschenk ihres Bräutigams ist, beständig aus der Eucharistie
(vgl. 1 Kor 10, 17). Deshalb ist in der christlichen Ehe kraft
der sakramentalen Gabe des Heiligen Geistes das eheliche Band
mit seinen Eigenschaften Öffentlichkeit, Treue, Unlösbarkeit
und Fruchtbarkeit, innerlich mit der Einheit zwischen dem Bräutigam
Christus und seiner Braut, der Kirche, verbunden. (vgl. Eph 5,31-32)
[88]. Auf gleiche Weise hat das gegenseitige Versprechen, das
Ehemann und Ehefrau sich in Christus, der sie in Gemeinschaft
des Lebens und der ehelichen Liebe anerkennt, geben, eine sozusagen
eucharistische Ausprägung.
In der gegenwärtigen Versammlung sind trotzdem weiterhin
die komplexen und sehr differenzierten Fälle, die objektiven
Umstände zur Überprüfung der vermutlichen Nichtigkeit
einer vorschriftsmäßigen Ehe zu vertiefen und zu beachten.
Eine Überprüfung, die um das öffentliche, kirchliche
und soziale Wesens eines ehelichen Einvernehmens zu respektieren,
nur einen öffentlichen, kirchlichen und sozialen Charakter
haben kann [89]. Folglich muss die Anerkennung der Nichtigkeit
einer Ehe eine objektive Instanz einschließen, die sich
nicht auf das Gewissen der Eheleute reduzieren darf, nicht einmal
wenn diese von Ratschlägen eines erleuchteten geistlichen
Begleiters unterstützt werden.
Genau deshalb ist es trotzdem unerläßlich, das Neubedenken
der Natur und der Handlungen der kirchlichen Tribunale weiterzuführen,
damit sie immer stärker Ausdruck des normalen pastoralen
Lebens der Ortskirche werden [90]. Über die ständige
Kontrolle der Zeiten und der Aufwände hinaus, kann über
juristisch vereinfachte Gebilde und Verfahren, die wirkungsvollerweise
der pastoralen Obhut unterliegen, nachgedacht werden. Auch die
bedeutenden Erfahrungen in Bezug auf verschiedene Diözesen
fehlen nicht. Die Synodenväter dieser Versammlung werden
die Gelegenheit haben, diese auch über weitere zu berichten.
Entscheidend bleibt in jedem Fall die normale pastorale Tätigkeit
der zurück liegenden, kommenden und unmittelbaren Vorbereitung
der Verlobten auf die christliche Ehe, sowie auch die tägliche
Begleitung im Leben der Familien innerhalb des großen kirchlichen
Hauses. Abschließend haben die Sorge und Höherbewertung
der vielen Initiativen, die darauf ausgerichtet sind, die geschiedenen
Wiederverheirateten in einem Leben in der christlichen Gemeinschaft
zu begleiten, mit Ergebenheit in das Opfer, das objektiv von
ihnen gefordert wird.
4. Ite missa est
Die Eucharistie ist die Speise des Lebens für die Gläubigen
auf ihrem Glaubensweg im christlichen Leben. Man trifft auf eine
Wahrheit, im Besonderen in der liturgischen Tradition der orthodoxen
Kirche, in der man nicht aufgehört hat, diese vorzuschlagen
[91]. Der Akt des Lobes und der Ehre, der immer wieder in der
Liturgie erneuert wird, erinnert an das Paschamahl Christi und
reichert die Gläubigen in einzigartiger Weise an. Dies zeigt
sich nicht nur in der Danksagung nach der Kommunion, die nach
der kirchlichen Empfehlung in Stille vollzogen wird oder von
einem meditativen Gesang begleitet wird, sondern es drückt
sich gänzlich aus im Gegebenen dieser Kommunion mit allen
Menschen. Dieses Ergebnis der teilnehmenden Eucharistie hat nicht
nur den Charakter von einem “müssen”, sondern
von einem freigebigen Zeugnis der progressiven Verwandlung der
eigenen Existenz, herausgenommen aus der Möglichkeit des
sakramentalen Geschenkes, inbegriffen die menschliche Freiheit,
gegeben an alle [92].
Dieses Zeugnis entpricht also dieser “logike latreía”,durch
die die Gemeinschaft mit Christus alle Beziehungen und Gegebenheiten
betrifft , die sich in den Bereichen des menschlichen Lebens
ereignen. Im vergangenen und gegenwärtigen Leben der Kirche
ist der Martyrer eine bespielhafte Figur eines solchen Zeugnisses,
wie Christus selbst macht er aus dem eucharistischen Auftrag
seines eigenen Lebens eine dem Vater gern gesehene Gabe.
Auf diese Weise und mit Selbstverständlichkeit durchdringt
die Eucharistie das persönliche, gemeinschaftliche und soziale
Leben und verändert es. Darin besteht hauptsächlich
die evangelisierende Mission der Kirche [93].
II. Ars celebrandi und actuosa participatio
Aus dieser zentralen Vision der Eucharistie als eine kirchliche
Handlung, die sich in der Einheit des eucharistischen Ritus ausdrückt
- dessen Kern die Liturgie des Wortes ist, die im Wesentlichen
der Liturgie der Eucharistie untergeordnet ist [94], ist ein
mit Anbetung aufgenommenes Geschenk, das ein Akt der Bekehrung
verlangt und zur Sendung aufruft -, kommt eine Tatsache hervor,
die es verdient besonders hervorgehoben zu werden.
Zu behaupten, dass die Eucharistie Ursprung und Höhepunkt
des Lebens und der Sendung der Kirche ist, bedeutet vor allem
den notwendigen Gehorsam der Kirche selbst gegenüber dem
Sakrament der Eucharistie zu erkennen. Darin drückt sich
der Vorrang der traditio über die receptio aus: beim letzten
Abendmahl hat Jesus die Initiative übernommen und sich den
Seinen ausgeliefert; beim Übergang vom letzten Abendmahl
zur kirchlichen Liturgie, erklärt uns Paulus, dass er uns
das weitergibt, was er selbst erhalten hat (vgl. 1 Kor 11,23);
in der Unterscheidung und in der Reihenfolge der liturgischen
Reformen ist das Führungskriterium immer der Vorrang der
traditio [95]. Trotzdem erlebt die Gemeinschaft in jeder Feier
der Eucharistie dieselbe Erfahrung, die bereits die Apostel im
Abendmahlssaal gemacht haben: die Gläubigen sind berufen
den zu empfangen, der sich ihnen schenkt.
Dieses grundlegende Element des eucharistischen Aktes führt
zu einer wichtigen pastoralen Konsequenz: die Notwendigkeit,
jede Zweideutigkeit zwischen der Kunst des Feierns und der aktiven
Teilnahme zu überwinden. Die bewusste aktive und fruchtbare
Teilnahme des Gottesvolkes [96] - vor allem an der sonntäglichen
Messe - entspricht wirklich der angemessenen Feier der Heiligen
Geheimnisse. Wieder einmal kommt der Geschenkcharakter der Eucharistie
in den Vordergrund. Wenn man die Kunst der Feier sachlicher Weise
pflegt, kann die Teilnahme an der Feier wirklich plena, conscia
und actuosa werden.[97] Es handelt sich darum, dem eucharistischen
Ritus in seiner außerordentlichen Vollkommenheit zu gehorchen
und dabei seine kanonische und konstitutive Kraft zu erkennen,
die nicht aus reinem Zufall seit 2000 Jahren das Dasein der Heiligen
Kirche Gottes sicherstellt.
Dieses Kriterium muss unter Rücksichtnahme der verschiedenen
kulturellen Sensibilitäten die Weise orientieren, in der
man die Teilnahme aller Gläubigen am Ritus selbst erfordert.
Um nicht zu einer einfachen Wiederholung von Formen und Gesten
zu werden, verlangt sie die bewusste Hingabe seiner selbst von
jedem Gläubigen, der auf diese Weise das allgemeine Priestertum
des Gottesvolkes, das in der Taufe beginnt, in die Tat umsetzt.
In diesem Zusammenhang versteht man auch den wertvollen und kostbaren
Nutzen der liturgischen Normen, die der Heilige Stuhl, die Bischofskonferenzen
und die Ordinarien den Kirchen zur Verfügung stellen.
In diesem Rahmen sollten auch alle Ämter und Aufgaben,
die mit dem liturgischen Ritus verbunden sind, verstanden und
gelebt werden. Ihre Funktion ist nicht die Gratifikation derer,
die sie ausüben, das heißt eine rein äußerliche,
wie eine falsche Auffassung der aktiven Teilnahme der Gläubigen
glauben läßt. Ihr grundliegendes Wirken hat den Zweck
der ganzen Gemeinde die objektive Schönheit und Würde
der Feier zu versichern [98].
Ohne weiter in die wichtigen und spezifischen Probleme einzudringen,
ist es nützlich, in diesem Bericht auch daran zu erinnern,
dass die Kunst im Dienste der eucharistischen Handlung - vor
allem, was die kirchliche Ausstattung [99] betrifft - so wie
der Gesang und die Musik ihrerseits von der Kunst des Feierns
hell erleuchtet werden. Sie wirken zusammen in der aktiven Teilnahme,
wenn diese objektive Kunst des Feierns respektiert wird [100].
Drittes Kapitel
Die Anthropologische, kosmologische und soziale Dimension der
Eucharistie
I. Zwei Voraussetzungen
Die Betrachtung des eucharistischen Ritus als eine sakramentale
Handlung, die alleine in der Lage ist, die Eucharistie als Ursprung
und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche zu rechtfertigen,
wäre unvollständig, wenn ihre Kraft, das persönliche
und gemeinschaftliche Leben der Gläubigen zu verändern,
sich nicht zeigen würde, und durch sie ihre Fruchtbarkeit
gegenüber der Menschenfamilie und der Völker. Anders
gesagt beeinflusst die Eucharistie dadurch, dass sie dem menschlichen
Dasein eine eucharistische Form gibt, nicht nur die Person und
die kirchlichen Gemeinschaften, sondern durch sie auch die Gesellschaft,
die Kultur und bestimmt das Verhältnis des Menschen zum
Kosmos.
1. Eucharistie und Evangelisierung
Die Einzigartigkeit des Osterereignisses, von dem die tiefgreifende
Einheit von Eucharistie und Kirche ausgeht, die von diesem einzigen
Akt des Kultes, und zwar vom eucharistischen Ritus bezeugt ist,
erzeugt auch die tiefe Einheit von Leben und Sendung des Christen
und der ganzen Kirche. Das gemeinsame Zeugnis von der verdienstfreien
und befriedigenden Begegnung mit Christus mündet in die
Verkündigung und Einladung an alle Mitmenschen, niemand
ausgeschlossen, am Leben der christlichen Gemeinde teilzunehmen.
In dem sie innerhalb der Gemeinde die Erziehung zur Unentgeltlichkeit,
zum christlichen Denken zur Universalität suchen, werden
die Christen dazu angeleitet, sich zusammen mit den Mitmenschen
auf kultureller, ökologischer und sozialer Ebene einzusetzen.
Das so wahrgenommene persönliche und gemeinschaftliche Leben
im christlichen Sinne (eucharistische Spiritualität), vollzieht
im Konkreten die Evangelisierung und Neuevangelisierung, in der
immer auch die Förderung der Menschen impliziert ist.
2. Eucharistie, Interkulturalität und Inkulturation
Die Evangelisierung fand, bedingt durch die Natur des Menschen
und kraft der Dynamik der Fleischwerdung, seit Beginn der Geschichte
statt und ist dazu berufen, mit den verschiedensten Kulturen
zu interagieren. Man kann deshalb die Sorgfalt, die nach dem
II. Vatikanischen Konzil von den verschiedenen Kirchen auf den
Prozess der Inkulturation der liturgischen Riten gelegt wurde,
verstehen. Diese Dringlichkeit wurde in den letzten Jahrzehnten
vielmals von der Kirchenlehre bekräftigt [101]. Es lohnt
daran zu erinnern, dass die entscheidende Bedingung für
die notwendige Entwicklung dieses wichtigen Prozesses, der es
aufgrund seiner Natur erfordert, einer kontinuierlichen Überprüfung
unterworfen zu werden, die vorausgehende Erkenntnis der Interkulturalität
des gefeierten Ereignisses ist. Die Eucharistiefeier repräsentiert
das österliche Geschehen, das für sich selbst die Voraussetzungen
seiner Mitteilbarkeit an alle Kulturen festsetzt. Dies ist durch
die weltweite Einzigartigkeit der Person und der Geschichte Jesu
Christi, der gerade durch die Fleischwerdung die vollständige
menschliche Verfassung annimmt, möglich geworden. Um die
interkulturelle Dimension der Eucharistie auszudrücken,
ist der Gebrauch der lateinischen Sprache - vor allem anlässlich
großer internationaler Feierlichkeiten oder in Kirchen
mit vielen ausländischen Besuchern - wertvoll.
Angesichts dieser Tatsache können der Gebrauch der mundartlichen
Sprachen und die wohlbedachte Anwendung von Ausdrucksformen im
Ritus, in den Kirchen, in der Einrichtung und in den Gesängen
zur Feier der eucharistischen Handlung, welche in jedem Fall
und auf jedem Breitengrad die einzige von Christus gestiftete
[103] Eucharistie bleiben muss, fruchtbarer und paradigmatischer
Ausdruck der Wichtigkeit der Inkulturation für die Evangelisierung
werden [103]. Wenn die Bedingung zur Inkulturation die Anerkennung
der Interkulturalität des gefeierten Mysteriums ist, so
impliziert jede Inkulturation aufgrund ihrer Natur eine fortdauernde
Evangelisierung der Kultur selbst. Dies entbehrt nicht einer
unvermeidlichen “kritischen” Distanz gegenüber
der Kultur, in der eine bestimmte christliche Gemeinschaft lebt
und feiert. In der ausgeglichenen Beziehung zwischen Evangelisierung
und Inkulturation, versichert durch die interkulturelle Natur
der Eucharistie, findet auch der interreligöse Dialog seinen
Raum [104]. Es handelt sich um einen dem Glauben der christlichen
Gemeinschaft innewohnenden Moment in missionarischem Zusammenhang,
entscheidend vor allem auf dem stark bevölkerten asiatischen
Kontinent. In diesem Zusammenhang lohnt es, mit Aufmerksamkeit
auf die Ostkirchen zu blicken, um Nutzen aus ihrer Erfahrung
zu ziehen.
II. Die anthropologische Dimension der Eucharistie
Wenn die Eucharistie ein Geschenk des sakramentalen Zusammentreffens
zwischen dem Menschen und Gott in Jesus Christus ist, der “wirklich
freimacht” (Joh 8, 36), so besitzt dieses Geschehen aus
seiner Natur heraus eine grundlegende anthropologische Dimension.
Die Transformation der Existenz, als Werk der eucharistischen
Handlung, zeigt sich vor allem im Eifer der Christen in der Nachfolge
Christi. Oft betonte Paulus, dass sich die Existenz der neuen
Kreatur vollständig in Christus vollzieht (vgl. Röm
6, 11; Gal 2, 20) [105]. In der Gemeinschaft mit dem Leib und
dem Blut Christi kommt der Deus Trinitas dem Menschen entgegen.
Sein Einbruch in die Alltäglichkeit eröffnet dem Menschen
die Möglichkeit, sich nicht wieder in der eigenen Endlichkeit
und der eigenen Sünde einschließen zu lassen.
Dieses persönliche Geschenk breitet sich natürlicherweise
in der Gemeinschaft der Christen aus: die Einheit der Kirche,
die wir schon genannt haben, ist die res des Sakraments. Wie
die neutestamentlichen Erzählungen hinsichtlich der urchristlichen
Gemeinschaft dokumentieren, versichert die sakramentale Schöpfung
die Objektivität der Kommunion, die dazu neigt, sämtliche
geistigen und materiellen Aspekte des Daseins der Christen zu
durchdringen (vgl. Apg 2,42-44; 4,32-33) [106].
Glaubenslehre, Moral, Askese und Spiritualität sind keine
Ausdrücke einer unbestimmten Religiosität, sondern
kraft ihrer eucharistischen Wurzeln werden sie einheitliche Ausdrucksformen
der Erfüllung des Planes Gottes in jeder Person und in der
gesamten Geschichte: “Christus zum Herz der Welt machen”[107].
Auf dieses Weise ist das gesamte Leben als Berufung konzipiert
und dies erlaubt jene imitatio Christi, die im Laufe der Jahrhunderte
von den Heiligen in verschiedenen Lebenslagen bezeugt worden
ist. Das christliche Dasein vollzieht sich auf den Spuren des
Meisters, gebunden an die Ewigkeit und doch in verantwortungsvoller
und konstruktiver Weise achtsam auf jede Kehrseite des Lebens[108].
Verkündigung und Zeugnis, Katechese, persönliche und
gemeinschaftliche christliche Erziehung, Teilnahme am Menschen
mit seinen Ausdrucksformen in Gefühlen, Arbeit und Erholung
bis hin zur Konfrontation mit den brennenden anthropologischen
Fragen, die heute das humanum aufrütteln (Liebe, Ehe, Familie,
Leben, Krankheit, Tod), sind für den Christen Aspekte, die
objektiv in der sonntäglichen Feier der Eucharistie impliziert
sind.
III. Die kosmologische Dimension der Eucharistie
In der eucharistischen Handlung, die sich in letzter Instanz
auf die Einheit in Jesus Christus aus Priester, Opfer und Altar,
stützt, ist die neue Kreatur veranlasst, unaufhörlich
ihr Verhältnis mit der Materie und dem Kosmos zu erneuern
[109]. Der Heilige Paulus macht das Verhältnis zwischen
der fruchtbaren Mühe der neuen Kreatur und der der neuen
Schöpfung offensichtlich (vgl. Röm 8, 19-23; 2 Kor
5, 17). Anthropologische und kosmologische Mühen sind in
der immer bevorstehenden eschatologischen Perspektive vereint.
Es ist wichtig, die kosmologische Dimension der Eucharistie hervorzuheben,
wie sie seit der Antike die Ausrichtung des christlichen Gotteshauses
dokumentiert.
Die eucharistische Form des Daseins verpflichtet dazu, von der
Wurzel an, zwei große Risiken, die das Verhältnis
Mensch-Kosmos, wenigstens anfänglich, schwer gefährden
könnten, zu vermeiden.
Auf der einen Seite das Risiko eines erbitterten Anthropozentrismus,
der aus dem Menschen den absoluten Herrscher über die Schöpfung
macht. In der Darbringung der Gaben (die Früchte der Erde
und der menschlichen Arbeit: das Brot und der Wein, dem man das
Wasser hinzugibt), drückt sich explizit aus, dass die Handlungsträger
des Verhältnisses Mensch-Schöpfung nicht nur zwei sind,
die Gemeinschaft der Menschen und der Kosmos, sondern drei. In
der Bestätigung dessen, was schon der zweite Schöpfungsbericht
(vgl. Gen 2, 4b-25) beinhaltet, gibt es einen Dritten, der Mensch
und Schöpfung in Beziehung setzt: Gott, der den Menschen
von Beginn an in den “Garten” setzt, dass er ihn
bebaue und behüte. Mensch und Kosmos sind in der einzigen,
von Gott geführten historia salutis vereint. In der Erlösung
eröffnet Christus dem Menschen und dem Kosmos durch das
definitive Herabsetzen jeglicher anthropozentristischer Selbstgenügsamkeit,
die Perspektive der endgültigen Verherrlichung.
Andererseits schließt das ausgeglichene Verhältnis
zwischen Gott, dem Menschen und dem Kosmos - ausgedrückt
von der Eucharistie - jeden Biozentrismus und Ökozentrismus
aus, der dazu führen würde, jede ontologische und wertmäßige
Unterscheidung zwischen dem Menschen und den anderen Lebewesen
abzuschaffen [110].
Die kosmologische Dimension der Eucharistie findet im Leben des
Heiligen Franziskus von Assisi ein sehr bedeutsames Sinnbild.
Der bekannte Sonnengesang erscheint als eine kraftvolle und poetische
Dokumentation der Position des Menschen, der ein eucharistisch
bestimmtes Dasein führt und deshalb jede Kreatur in ihrer
Verbindung mit Gott wahrnimmt: “Laudato sii mi’ Signore
cum tucte le tue creature”. Das Bewusstsein des Heiligen
Franziskus drückt die Haltung der Dankbarkeit Gott gegenüber
durch und mit allen Dingen aus. Dankbarkeit, die er gerade durch
das eucharistische Mysterium erlernt, von dem er zu in seiner
Zeit in Beachtung der Dekrete des IV. Laterankonzils nicht zufälligerweise
bewunderter Sänger und Verteidiger war [111].
Die gemeinschaftliche Dimension der eucharistischen Handlung
verpflichtet die Christen darüber hinaus, nicht zu vergessen,
dass Schöpfung und Kosmos ein universales Gemeingut sind
und dass die Verpflichtung demgegenüber sich nicht nur auf
die gegenwärtigen Bedürfnisse erstreckt, sondern auch
auf die zukünftigen. Deshalb nimmt die Verantwortung gegenüber
der Schöpfung die Form einer Sorge an für diese unsere
Wohnung, welche im übertragenden Sinn ihren Körper
ausdehnt, und muss angemessene Anpassungen auf erzieherischer,
sozialer und juristischer Ebene finden, die deren gleichzeitige
Bedeutung als Wohnung und Ressource respektieren [112]. Auch
das christliche Gotteshaus und in ihm die Kapelle oder der Bereich
der Aufbewahrung und Anbetung, der mit dem Tabernakel die Sorge
für die Wohnung des eucharistischen und kirchlichen Leibes
Jesu Christi ausdrückt, können wertvolle erzieherische
Quellen der kirchlichen Versammlung für ein richtiges Verhältnis
zwischen Mensch und Schöpfung werden.
IV. Die soziale Dimension der Eucharistie
Die vollständige Hingabe Seiner Selbst, die Christus auf
eucharistische Weise den Menschen aller Zeiten versichert, ist
das Heil aller. In diesem Sinne ist die Eucharistie für
die ganze Welt. Die synoptischen Evangelien erinnern im entscheidenden
Gleichnis vom guten Samen und dem Unkraut daran, dass die Verpflichtung
zur Nachfolge Christi die Welt als ihren Acker hat (Mt 13, 38).
Es springt somit ins Auge, dass die Eucharistie eine innerste
soziale Dimension hat, die untrennbar von der kosmologischen
und anthropologischen ist.
Die Kirchengeschichte, reich an Werken der Nächstenliebe
und kreativer Entwicklungen in Einrichtungen ziviler und politischer
Bedeutung ist, dokumentiert dies mit einer Fülle an Elementen.
Es wird in der Arbeit dieser Tage nicht der Anlass für eine
weitere Bestätigung durch die hier vertretenen Teilkirchen
fehlen.
Die Liebe ist notwendigerweise eucharistisch [113], wie auch
die Eucharistie Liebe ist [114]. Die Almosen, die die Gläubigen
anläßlich der sonntäglichen Feier verrichten,
zeigen mit Klarheit die Wichtigkeit dieser Verbindung auf. Unter
den unzähligen Zeugnissen der Heiligkeit, gebunden an die
Nächstenliebe, wollen wir der Seligen Teresa von Kalkutta
gedenken. Ihr Charisma, das tief vom Verhältnis mit der
Eucharistie gezeichnet ist, erkannte die Liebe Gottes als unerschöpfliche
Quelle der Anteilnahme an den ärmsten und verlassensten
dem Tode Geweihten.
In der heutigen schwierigen Lage, die gekennzeichnet ist durch
den gewaltsamen Übergang von der Moderne zur einem neuen
kulturellen und geopolitischen Gefüge (Postmoderne?), erscheinen
die sozialen Dringlichkeiten, denen sich ein Christ, der sein
Dasein in eucharistischer Form lebt, stellen muss, besonders
akut und differenziert. Die Globalisierung, die Gesellschaft
des Internets, die neuen Horizonte, die sich mittels der Biotechnologie
eröffnen und der Prozess der unvermeidbaren Vermischung
von Völkern und Kulturen, die leider von Kriegen, Terrorismus
und unmenschlichen Gewalttaten begleitet sind, lassen die Notwendigkeit
von sozialer Gerechtigkeit und Frieden unaufschiebbar werden.
Die nicht seltene Situation der Armut und das örtliche Elend,
zu dem ein Großteil der Weltbevölkerung, vor allem
in Afrika verdammt ist, bilden eine Wunde, die erbarmungslos
die Echtheit, mit der die Christen aller Breitengrade die Eucharistie
leben, beurteilt. Die an jedem Sonntag, an jedem beliebigen Ort
der Erde stattfindende Zusammenkunft, um am gleichen Leib und
dem gleichen Blut Christi teilzuhaben, erlegt das Muss eines
zähen Kampfes gegen alle Formen wirtschaftlicher, sozialer
und politischer Ausgrenzung und Ungerechtigkeit und Erschwerung
auf, denen unsere Brüder und Schwestern, vor allem Frauen
und Kinder, unterworfen sind. Die Formen dieses Krieges erfordern
angemessene Kriterien, die dem proportionierten Verhältnis
zwischen Nächstenliebe und Gerechtigkeit entstammen, das
die Eucharistie seit den Zeiten der Apostel als notwendig für
das gesellschaftliche Leben fordert (vgl. 1 Kor 11, 17-22; Jak
2, 1-6). Die christliche Gemeinschaft muss, im Bewusstsein ihrer
einzigartigen Natur, mit geeigneten Analysen und durch Ausarbeitung
der nötigen Unterscheidungen, um die passenden Mittel zur
Begegnung mit dem Bösen, das heute planetarische Ausmaße
angenommen hat und mehr denn je in der Gegenwart Gottes nach
Rache ruft (vgl. Gen 4, 10) zu finden. Es scheint offensichtlich,
dass die Konfrontation mit einer so wichtigen Frage, wie der
der sozialen Gerechtigkeit nicht von der unermüdlichen Pflicht,
Frieden zu schaffen, zu trennen ist. Weiterhin gründet sich
das Verhältnis Frieden-Eucharistie, das gut im lateinischen
Ritus der brüderlichen Umarmung, die der Kommunion vorausgeht,
ausgedrückt wird, basierend auf der unerschütterlichen Überzeugung,
dass Christus selbst unser Frieden ist (Eph 2,14). Die eucharistische
Wurzel der Handlungsweise eines Christen für den Frieden,
stellt ihn in den Schutz vor zwei schweren Hinterhalten. Die
des utopischen Pazifismus einerseits und die einer Art Realpolitik,
die den Krieg als unvermeidbar ansieht, auf der anderen Seite.
Der Frieden hingegen ist eine schwierige Aufgabe, die uns immer
vor Augen steht, und mit Geduld jeden Tag in der eigenen Person
und in allen Verhältnissen, beginnend bei den familiären, über
die der direkten Umgebung bis hin zu der internationalen Ebene
verfolgt werden muss.
Diese entscheidenden sozialen Implikationen der eucharistischen
Handlung erfordern den Beitrag der Christen, um in den verschiedenen
Kulturräumen der Menschheit eine Zivilgesellschaft aufzubauen.
Basierend auf den Prinzipien Solidarität und Subsidiarität,
die Konstitutive der Kirchenlehre sind, treiben die Christen
eine Zivilgesellschaft voran, die sich auf die Würde und
auf die Rechte der Person stützt, zunächst auf das
Recht auf Religionsfreiheit und auf die der mittleren Körperschaften,
im Besonderen die der Familie.
In die gleiche Richtung weisend, tragen die Christen, gemeinsam
mit allen Menschen guten Willens und unter Beachtung der heutigen
meist pluralistischen Gesellschaften zur Förderung staatlicher
und internationaler Institutionen bei, die eine gute Regierung
unterstützen würden. Über die Förderung und
Regelung eines guten Lebens auf der Ebene einzelner Nationen
hinaus, müssen diese zur nunmehr unaufschiebbaren Notwendigkeit
der Schaffung einer neuen Weltordnung, die auf geteilten und
verpflichtenden Regeln beruht und allen Völkern die Möglichkeit
einer ausgewogenen und vollständigen Entwicklung natürlicher
und menschlicher Ressourcen garantiert, beitragen.
Schluß
Das eucharistische Dasein in den gegenwärtigen Bemühungen
I. Zusammenfassung
In dem Zusammentreffen in Freiheit, das die eucharistische Handlung
versöhnt, erneuert sich seit 2000 Jahren mit besonderer
Intensität im Ritus der Eucharistie die menschliche Erfahrung
des Staunens. Gerade in der Verwirklichung des Ritus, durch die
Erniedrigung des Sohnes, am Kreuz gestorben, auferstanden und
durch die Gabe des Heiligen Geistes, zeigt, schenkt und teilt
sich der Vater dem Menschen mit. Im Lobpreis und in der Eucharistie,
im Hören des Wortes und im Vollzug des Opfers, kann der
treue Anbeter des wahren Gottes nach dem confiteor mit dem Leib
kommunizieren, der in Kraft des unwiederholbaren österlichen
Geschehens erlöst und gesandt wurde, die Erlösung der
ganzen Welt zu bezeugen.
Die Eucharistie wird in der gleichen Handlung, in der sie gefeiert
wird, gleichzeitig Quelle und Höhepunkt des Lebens und der
Sendung der Kirche. Das österliche Geschehen, Eucharistie
und Kirche verwirklichen in solcher Weise die konkrete Gestalt,
in der die Dreieinigkeit im Lauf der Geschichte den Menschen
zu ihrer Rettung entgegenkommt.
Die Wunder der göttlichen Gnade sind in den heiligen Gaben
des Brotes und des Weines, gewandelt zu Leib und Blut Christi,
eingeschlossen. In ihnen verbleibt der Mensch gewordene, gestorbene
und wiederauferstandene Sohn Gottes, der sich freiwillig gegeben
hat, in Erwartung einer Antwort des Menschen. Die Kirche feiert
diese Mysterien, sie nährt sich von dieser himmlischen Speise
und betet es in der Anerkennung des sakramentalen Jesu als den
Weg zu Wahrheit und Leben an.
Der Mensch, der durch die Gnade diese Gabe aufnimmt, macht jedes
Mal eine einzigartige Erfahrung. Die liebevolle Barmherzigkeit
der Dreieinigkeit bricht in das mechanische Aufeinanderfolgen
von Augenblicken seiner Zeit ein, erzeugt eine wohltuende Diskontinuität,
die eine Entscheidung fordert. Im Bewußtwerden des abgrundtiefen
Unterschiedes zwischen der unendlichen Freiheit Gottes, der sich
auf eucharistische Weise schenkt, und der so geringen menschlichen
Freiheit, verliert sich der Gläubige in Christus, wandelt
sein Dasein in ein lebendiges Opfer um.
Dies nimmt auf persönlicher und sozialer Ebene eine wahre
und wirkliche eucharistische Form an.
Die Wesensart der Christen und der Gemeinschaft der Gläubigen
lebt von dieser eucharistischen Form, die fortlaufend die Rhythmen
des persönlichen Daseins darstellt, während sie zur
Erschaffung eines guten Lebens, auch auf sozialer Ebene, beiträgt.
Die Geburt, das Wachsen, die Erziehung, das Lieben, das Leiden
und das Sterben sind von der eucharistischen Macht gekennzeichnet,
die sich in den sieben Sakramenten ausdrückt und kraft der
Eucharistie, werden das christliche Leben und das der Gemeinschaften
auf wohltuende Weise von der Aufnahme der Gaben des Geistes,
aus dem Zuwachs an Tugenden, aus der Entdeckung, dass die Gebote
Gottes, wenn ihnen wirklich gehorcht wird, die Erfüllung
der Liebe sind, beeinflußt. Es erneuert sich in der Tiefe
das Verhältnis des erlösten Menschen mit dem Kosmos,
während die Christen mit immer wieder neu entstehender Energie
zu einem radikalen Einsatz für soziale Gerechtigkeit und
den Aufbau von Frieden angetrieben werden.
Vor allem in diesen Zeiten besonderer Bemühungen, die alle
Kulturräume der Welt betreffen, wird der Christ, der sein
eigenes gemeinschaftliches Dasein in eucharistischer Form lebt
zu einem unermüdlichen Verkündiger und Zeugen Jesu
Christi und seines Evangeliums und zwar in allen Bereichen der
menschlichen Existenz: vom Wohngebiet bis zur Schule, in der
Arbeit, in der Welt der Kultur, der Wirtschaft, der Politik,
der sozialen Kommunikation, usw.
Die auf eucharistische Weise gegründeten christlichen Gemeinden
werden Orte, an denen jeder Mensch die Erfahrung machen kann,
dass die Nachfolge Christi das ewige Leben eröffnet, indem
sie schon vom Innern der Geschichte das hundertfache bietet (vgl.
Mt 19, 29). Frauen und Männer jeden Standes, jeder Rasse
und Kultur können in jedem Moment ihres Lebens, andere Männer
und Frauen treffen, Christen, die kraft des eucharistischen Daseins,
sich ihnen als diskrete Weggefährten auf einem Weg der Freiheit
präsentieren.
II Ein abschließender Wunsch
Diese eucharistische Gestalt der Persönlichkeit und der
christlichen Gemeinschaft ist keine Utopie. Sie lebt schon vollständig
in Maria, der eucharistischen Frau. Wegen ihres fiat ist Maria
Sinnbild der eucharistischen Gabe ihrer selbst und der unbefleckten
Kirche. Die Väter und die Kirchenlehre haben immer das untrennbare
Verhältnis zwischen Maria und der Kirche betont [115]. In
seiner Definition als eucharistische Frau [116] hat Johannes
Paul II. die Form dieses Verhältnisses beim Namen genannt.
Dieses erblüht tatsächlich aus der einzigartigen Teilnahme
der Mutter an der vollendeten Gabe des Sohnes, Seiner selbst.
Bitten wir die unbefleckte Jungfrau und alle Heiligen, dass die
Arbeiten dieser Synodenversammlung sich im wohltuenden Horizont
dieser eucharistischen Form vollziehen mögen.
[1] Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 6.
[2] Vgl.ebd., 5-6.
[3] Vgl.Johannes Paul II., Redemptor hominis 10.
[4] Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 6: Dieses“Staunen” über
die Eucharistie wünsche ich mir mit der vorliegenden Enzyklika
wiederzuerwecken, in Fortsetzung jenes Erbes des Jubiläums.
[5] Vgl. Missale Romanum, Oratio Post Communionem, I Dominica
Adventus.
[6] Gaudium et spes 22.
[7] Vgl. Gaudium et spes 14.
[8] Hl. Thomas erinnert uns daran, daß der Mensch mit der
Taufe in Christus wiedergeboren wird. (regeneratur in Christo,
während der Mensch seine Vereinigung mit Christus durch
die Eucharistie vollendet (perficitur in unione ad Christum). “Deshalb
wird die Taufe auch als”Sakrament des Glaubens” (sacramentum
fidei) bezeichnet, welcher das Fundament des spirituellen Lebens
ist; die Eucharistie wird ”Sakrament der Barmherzigkeit “(sacramentum
caritas) genannt, die der “vollkommene Bund”(vinculum
perfectionis) nach dem Hl. Paulus ist (Kol 3, 14)”, Thomas,
Summa Theologiae III, q. 73, a. 3.
[9] Vgl. Augustinus, Kommentar zum Johannesevangelium 69, 2.
[10] “Wo ist das Gottesvolk, von dem soviel geredet wurde,
und heute noch die Rede ist, wo ist es? Diese ethnische Entität
sui generis, die sich durch ihren religiösen und messianischen
Charakter unterscheidet und qualifiziert (priesterlich und prophetisch,
wenn ihr wollt), die alles Richtung Christi, als seinen Brennpunkt
zusammen führt, und ganz von Christus stammt? Wie ist es
zusammengesetzt? Wie ist es charakterisiert? Wie ist es organisiert?
Wie übt es seine ideale und belebende Mission innerhalb
der Gemeinschaft, in welcher es eingetaucht ist, aus? Wir wissen
wohl sehr gut, dass das Gottesvolk heute, historisch, einen für
allen bekannteren Namen trägt, es ist die Kirche.” Paul
VI., Generalaudienz, 23. Juli 1975.
[11] Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 5.
[12] “In der Eucharistie ist das ganze Geheimnis unserer
Rettung zusammengefasst (totum mysterium nostrae salutis comprehenditur)”,
Thomas, Summa Theologiae III, q. 83, a. 4. “Die Eucharistie
ist das größte aller Wunder, das jemals von Christus
bewirkt wurde, das bewundernswerte Zeugnis seiner grenzenlosen
Liebe für die Menschen.” Thomas v. A., Opusc. 57,
zum Fronleichnamsfest.
[13] “Versammelt am Tag des Herrn, am Sonntag, brecht das
Brot und dankt Gott, nachdem ihr eure Sünden gebeichtet
habt, so dass euer Opfer rein ist.”, Didachè 14,
1. Und vgl. Justinus, I Apologie 67.
[14] Sacrosanctum Concilium 9.
[15] Dei Verbum 4: “Viele Male und auf vielerlei Weise
hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten;
in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn” (Hebr
1, 1-2). Er schickte sein Sohn, das ewige Wort, das alle Menschen
erhellt, damit er unter den Menschen lebte und ihnen die Geheimnisse
Gottes enthülle. (vgl. Joh1,1-18). Jesus Christus nun, das
Wort, das Fleisch geworden war, als Mensch zu den Menschen geschickt,“verkündigt
die Worte Gottes” (Joh 3,34) und führt das Werk der
Errettung, das ihm der Vater übertragen hat, zur Vollendung.
(vgl..Joh 5,36; 17,4). Deswegen erfüllt und vervollständigt
er, der wer ihn gesehen hat, hat den Vater gesehen (vgl .Joh
14,9) mit seiner Anwesenheit und mit seiner Bekundung, die er
von sich selbst macht, mit den Worten und mit den Werken, mit
den Zeichen und mit den Wundern und insbesondere mit seinem Tode
und seiner Auferstehung von den Toten und letztlich mit der Herabsendung
des Geistes der Wahrheit, die Offenbarung und bekräftigt
sie mit dem göttlichen Zeugnis, das Gott mit uns ist, um
uns aus der Finsternis der Sünde und des Todes zu befreien
und zum ewigen Leben, auferweckt“.
[16] Thomas v. A., in I Sent., Prol.: ““Ego sapientia
effudi flumina” Sir 24, 40 - Venit Filius et illa flumina
olim occulta effudit nomen Trinitatis publicando”.
[17] Johannes Paul II., Brief an die Priester zum Gründonnerstag
2005, Nr. 1.
[18] Johannes Paul II., Fides et ratio 13: “Man wird gewissermaßen
auf den sakramentalen Horizont der Offenbarung und ins besondere
auf das Zeichen der Eucharistie verwiesen, wo es die unauflösliche
Einheit zwischen der Wirklichkeit und ihrer Bedeutung erlaubt,
die Tiefe des Geheimnisses zu erfassen. Christus ist in der Eucharistie
wahrhaftig gegenwärtig und lebendig, er wirkt und handelt
durch seinen Geist, doch wird der hl. Thomas richtig gesagt hatte: “Du
siehst nicht ,du begreifst nicht , aber der Glaube bestärkt
dich jenseits der Natur. Was da erscheint, ist ein Zeichen: Es
verbirgt im Geheimnis erhabene Wirklichkeiten”. Ihm pflichtet
der Philosoph Pascal bei: “ Wie Jesus Christus unter den
Menschen unerkannt geblieben ist, so unterscheidet sich seine
Wahrheit äußerlich nicht von den allgemeinen Meinungen.
Und so ist die Eucharistie gewöhnliches Brot.”
[19] Vgl. Instrumentum laboris Nr. 25.
[20] “Mit den Jüngern feierte er das Paschamahl Israels,
das Gedächtnis der befreienden Tat Gottes, die Israel aus
der Knechtschaft in die Freiheit führte.” Benedikt
XVI, Predigt der Heiligen Messe zur Feier des XX Weltjugendtages
auf dem Marienfeld (21 August 2005).
[21] Ebd.
[22] Instrumentum laboris, Vorwort.
[23] Eucharistisches Hochgebet III.
[24] Vgl. Thomas, Summa Theologiae III, q. 63, a. 6; q. 65, a.
3; q. 75, a.1 und a.3. Vgl. auch Johannes Paul II., Redemptor
hominis, 20.
[25] “Das Leben, das auf den Sakramenten gründet,
beseelt durch das allgemeine Priestertum, bedeutet vor allem,
seitens des Christen, den Wunsch zu haben, dass Gott in ihm wirkt,
um ihn im Geist “in der vollkommenen Gestalt Christi” (vgl.
Eph 4, 13) ankommen zu lassen. Gott seinerseits berührt
ihn nicht nur durch Ereignisse und mit seiner inneren Gnade,
sondern er handelt in ihm mit größerer Sicherheit
und Stärke durch die Sakramente. Sie verleihen seinem Leben
einen sakramentalen Zug. Nun aber ist es unter allen Sakramenten
die heilige Eucharistie, welche seine christliche Initiation
zu einer Fülle bringt und die der Ausübung des allgemeinen
Priestertums jene sakramentale und kirchliche Form verleiht,
die dieses an das Amtspriestertum [...] anknüpft. In dieser
Weise ist der eucharistische Kult Zentrum und Zielpunkt des gesamten
sakramentalen Lebens (vgl. AG, 9 und 13; PO, 5)”, Johannes
Paul II, Dominicae Cenae 7.
[26] Eucharistisches Hochgebet II.
[27] ”Du lässt die Kirche Christi das unaussprechbare
Geheimnis feiern, in dem unsere Bedeutungslosigkeit als sterbliche
Wesen zu einer ewigen Verbundenheit sublimiert wird, und unser
Dasein in der Zeit beginnt zu blühen in einem Leben, das
kein Ende kennt.“, Präfation der 19. Woche im Jahreskreis
nach dem ambrosianischen Messbuch.
[28] Vgl. Der Katechismus der katholischen Kirche 1402-1405.
[29] Eucharistisches Hochgebet I: “Wir bitten Dich, allmächtiger
Herr: Diese Gaben mögen durch die Hände deines heiligen
Engels getragen werden zu deinem himmlischen Altar vor deiner
göttlichen Herrlichkeit, damit über uns alle, die wir
an dem diesem Altar teilhaben durch die Kommunion mit dem heiligen
Mysterium von Leib und Blut deines Sohnes, die Fülle der
Gnade und des Segens vom Himmel herabkomme.“ Vgl. auch
Sacrosanctum Concilium 8.
[30] Vgl. Institutio Generalis Missalis Romani (20. April 2000)
379-385.
[31] Vgl. Paul VI., Mysterium fidei 35-46; Der Katechismus der
Katholischen Kirche 1373-1381; Johannes Paul II., Ecclesia de
Eucharistia 15.
[32] Die Texte von Markus und Matthäus (Mk 14,22-24; Mt
26,26-28) nehmen Bezug auf den Bund am Sinai (vgl. Ex 24,8),
während Lukas und Paulus ( Lk 22,19-20; 1 Kor 11,23ff) von
der Verheißung des neuen Bundes sprechen. Vgl. Trienter
Konzil, Sessio XXII. Doctrina de Ss Missae sacrificio, DS 1738-1759;
Pius XII., Mediator Dei, Teil II; Paul VI., Mysterium fidei,
27-32; Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 12-13.
[33] Vgl. Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 13.
[34] Vgl. Sacrosanctum Concilium 14.
[35] “Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst
und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch“ (Joh
6,53). “Es scheint ein Verbrechen oder eine absolute Widerwärtigkeit
zu befehlen. Aber in Wirklichkeit ist es ein bildlicher Ausdruck,
mit dem die Teilnahme an der Passion des Herrn befohlen wird“,
Augustinus, doctrina cristiana, III, 16, 24.
[36] “So kommt also der Heilige Geist, das Feuer nach dem
Wasser, und so werdet ihr Brot, das heißt der Leib Christi“,
Augustinus, Reden, 227, 1. „Das ist das Opfer der Christen,
dass viele ein Leib Christi seien. Die Kirche feiert dieses Geheimnis
im Sakrament des Altars, das die Gläubigen gut kennen, und
in dem ihr klar gezeigt wird, dass in dem, was geopfert wird,
sie sich selbst opfert“, Augustinus, Der Gottesstaat, X,
6.
[37] Die Eucharistie wird Bild der Einheit der Kirche, wie das
Brot aus vielen Körnern stammt, die, zusammen gemahlen,
ein Ganzes bilden, vgl. Didache, 9, 4; Augustinus, Kommentar
zum Johannesevangelium, 26, 17.
[38] “Was wir weihen ist der Leib, geboren aus der Jungfrau“,
Thomas von Aquin, Summa Theologiae III, q. 75, a.4. Thomas zitiert
ausdrücklich aus De Sacramentis des Hl. Ambrosius. Vgl.
auch Pascasio Radberto, De corpore et sanguine Domini, VII: „Quibus
modis dicitur corpus Christi“: CChCM, 16, 37-40.
[39] Die eigentliche Eigenschaft dieses Brotes ist die Einheit,
in dem Sinne, dass wir, verwandelt in den Leib Christi und zu
seinen Gliedern geworden, zu dem werden, was wir empfangen. Dann
wird dieses wirklich unser tägliches Brot sein.“,
Augustinus, Reden, 57, 7, 7.
[40] Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung,
Redemptionis sacramentum (25. März 2004) 19-25.
[41] Institutio Generalis Missalis Romani (20. April 2000) 22.
[42] Sacrosanctum Concilium 57.
[43] Vgl. Sacrosanctum Concilium 122-129; Heilige Kongregation
für die Riten, Inter Oecumenici 90-99; Heilige Kongregation
für die Riten, Eucharisticum Mysterium 24, 52-57; Kongregation
für den Gottesdienst, Liturgiae instaurationes 70; Der Katechismus
der katholischen Kirche 1197-1186; Johannes Paul II., Ecclesia
de Eucharistia 49.
[44] Vgl. Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia, 21-23.
[45] Über die wichtige Einladung von Unitatis redintegratio
22 hinaus beschränken wir uns darauf, die hauptsächlichen
Dokumente der verschiedenen interkonfessionellen Dialoge bezüglich
der Eucharistie in Erinnerung zu rufen. Vgl. Gemischte Internationale
Kommission für den theologischen Dialog zwischen der römisch-katholischen
und der orthodoxen Kirche, Das Mysterium der Kirche und der Eucharistie
im Lichte des Mysteriums der heiligen Dreifaltigkeit (München
30. Juni - 6. Juli 1982), in Enchiridion Oecumenicum 1/2183-2197;
Anglikanisch - römisch-katholische internationale Kommission:
Eucharistielehre: Erklärung von Windsor 1971, in Enchiridion
Oecumenicum 1/16-28; Anglican Consultive Council - Pontificial
Council for promoting Christian Unity: Die Kirche als Communio
(Gemeinsame Erklärung 1990), in Enchiridion Oecumenicum3/
38-106; Clarifications of Certain Aspects of the Agreed Statements
on Eucharist and Ministry of the First Anglican-Roman Catholic
International Commission, together with a Letter from Cardinal
Edward Idris Cassidy, President of the Pontificial Council for
Promoting Christian Unity (1993), in Enchiridion Oecumenicum
3/107-124; Clarifications of Certain Aspects of the Agreed Statements
on Eucharist and Ministry of the First Anglican - Roman Catholic
International Commission, together with a Letter from Cardinal
Edward Idris Cassidy, President of the Ponticial Council for
Promoting Christian Unity (Erklärung der Kopräsidenten,
1994), in Enchiridion Oecumenicum 3/305-314; Clarifications of
Certain Aspects of the Agreed Statements on Eucharist and Ministry
of the First Anglican - Roman Catholic International Commission,
together with a Letter from Cardinal Edward Idris Cassidy, President
of the Ponticial Council for Promoting Christian Unity (Brief
des Kard. Cassidy an die Kopräsidenten der ARCIC II, 1994),
in Enchidirion Oecumenicum 3/ 315-317; Gemeinsame Römisch-Katholische/Evangelisch-Lutherische
Kommission, Das Herrenmahl (1978), in Enchiridion Oecumenicum
1/1207 - 1307; Gemischte Römisch-Katholische/Reformierte
Studienkommission, Offizieller Bericht des Dialogs (1973-1977) über
Die Gegenwart Christi in der Kirche und in der Welt, Rom, März
1977, in Enchiridion Oecumenicum 1/2383-2408; Kommission Glaube
und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen,
One baptism, one Eucharist and a Mutually Recognized Ministry.
Three agreed statements, Accra 23. Juli - 5. August 1974, in
Enchiridion Oecumenicum 1/2860-3031; Ders., Baptism, Eucharist
and Ministry (Dokument von Lima), in Enchiridion Oecumenicum
1/3032-3181; Sekretariat für die Einheit der Christen, “Baptism,
Eucharist and Ministry”, Faith and Order Paper Nr. 111
(BEM). A catholic response (21. Juli 1987), in Enchiridion Vaticanum
10/1914-2078.
[46] Vgl. Glaubenskongregation, Communionis notio (28. Mai 1992)
17.
[47] “Wenn wir auch noch nicht in der Frage der Interpretation
und des Ausmaßes des Papstamtes übereinstimmen, stehen
wir jedoch zusammen bei der apostolischen Nachfolge, sind wir
grundsätzlich miteinander vereint hinsichtlich des Bischofsamtes
und des Sakraments des Priestertums und wir bekennen vereint
den Glauben der Apostel wie er uns in der Heiligen Schrift geschenkt
und wie er bei den großen Konzilien interpretiert worden
ist. In dieser Stunde der Welt, die voll ist von Skepsis und
von Zweifeln, aber auch reich an Verlangen nach Gott, erkennen
wir von neuem unsere gemeinsame Mission, Christus zusammen zu
bezeugen und auf der Basis dieser vollen Einheit, die uns schon
gegeben wurde, der Welt zu helfen, weil sie glaubt. Und wir bitten
den Herrn mit ganzem Herzen, dass er uns zur vollen Einheit leite
in der Weise, dass das Licht der Wahrheit, welches allein die
Einheit kreieren kann, in der Welt von neuem sichtbar werde”,
Benedikt XVI., Predigt zum Hochfest der Heiligen Apostel Petrus
und Paulus (29. Juni 2005)
[48] Das II. Vatikanische Konzil lehrt: “Hier sind vor
allem zwei Prinzipien maßgebend: die Bezeugung der Einheit
der Kirche und die Teilnahme an den Mitteln der Gnade. Die Bezeugung
der Einheit verbietet in den meisten Fällen die Gottesdienstgemeinschaft,
die Sorge um die Gnade empfiehlt sie indessen in manchen Fällen.”,
Unitatis redintegratio 8.Vgl. auch Orientalium Ecclesiarium 26-29;
Secretariatus ad Christianorum Unitatem Fovendam, Directorium
ad ea quae a Concilio Vaticano II de re oecumenica promulgata
sunt exsequenda, Pars prima Ad totam Ecclesiam (14. Mai 1967);
Pars altera Spiritus Domini (16. April 1970); Instructio In quibus
rerum circumstantiis de peculiaribus casibus admittendi alios
christianos ad communionem eucharisticam in Ecclesia cattolica
(1. Juni 1972); Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit
der Christen, Direktorium zur Anwendung der Prinzipen und der
Normen zum Ökumenismus III (25. März 1993); Johannes
Paul II., Ecclesia de Eucharistia 43-46.
[49] Der Katechismus der Katholischen Kirche, 1327: “Die
Eucharistie ist das Kompendium und die Summe unseres Glaubens:
Unsere Denkweise steht in Übereinstimmung mit der Eucharistie,
und die Eucharistie ihrerseits stimmt mit unserer Denkweise überein
(Hl. Irenäus v. Lyon, Adversus haereses, 4, 18,5)”
[50]Vgl. Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 44.
[51]Vgl. Codex Iuris Canonici 844; Codex Canorum Ecclesiarum
Orientalium 671;Päpstlicher Rat zur Förderung der Einheit
der Christen,, Direktorium zur Anwendung der Prinzipen und der
Normen zum Ökumenismus Nr. 123-25, 130-132 ."In diesem
Fall geht es nämlich darum, einem schwerwiegenden geistlichen
Bedürfnis einzelner Gläubiger im Hinblick auf das ewige
Heil entgegenzukommen, nicht aber um eine Praxis einer Interkommunion,
die nicht möglich ist, solange die sichtbaren Bande der
kirchlichen Gemeinschaft nicht vollständig geknüpft
sind.” Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 45.
[52]Vgl.Johannes Paul II. Ut Unum sint 46
[53]Sacrosanctum Concilium 56: “Die beiden Teile, die in
gewisser Weise die Messe ausmachen, d.h. der Wortgottesdienst
und die eucharistische Liturgie, sind miteinander so eng verbunden,
dass sie einen einzigen Akt des Kultes bilden”.
[54]Die Besonderheit und die außergewöhnliche Wichtigkeit
der Frage müssten in der gegenwärtigen Synodalversammlung
Anlass geben zu einem weitreichenden Vergleich, der dazu dienen
soll, die verschiedenen Zeugnisse hinsichtlich der Vorbereitung,
des Inhalts und die Arten der Ausführung der Predigt zu
sammeln und auszuwerten.
[55]Es ist wichtig, hinsichtlich der Beziehung zwischen der Heiligen
Schrift und der Eucharistie auf die Tatsache hinzuweisen, dass
die sakramentale Feier den vorzüglichen Rahmen für
die Lesung und Auslegung der Heiligen Schrift bildet.
[56]”Habens ergo novus sacerdos, non iam vetus Melchisedech,
neque natus caro de carne, non de sudore suo, neque de terra,
cui misere et multiplicate servit; sed novus Iesus natus de Spiritu
spiritus, de donis ac datis divinis, de coelo coelestem hostiam
carnis et sanguinis offert, dicens, non ut prius timide, neque
hostiam servitutis, sed cum exsultatione et laetitia”,
Isacco della Stella, Epistola De officio missae; PL 194, 1894
B-C.
[57]Vgl. Paul VI., Mysterium fidei 26-34; Katechismus der Katholischen
Kirche 1362-1372; Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia
12-13.
[58]Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche 1384-1390; Johannes
Paul II., Ecclesia de Eucharistia 16-17.
[59]”Das Opfer, das zu töten ist, wird nicht mehr
innerhalb der Herde der Tiere ausgewählt; zu den heiligen
Altären führt man nicht mehr Schafe oder Ziegen: das
Opfer unserer Tage ist nunmehr der Leib und das Blut des Priesters
selbst. Und sicherlich schon seit der Zeit der Psalmen war es
von ihm prophezeit worden: ”Du bist Priester auf ewig nach
der Ordnung Melchisedeks” (Ps 110, 4)”, Augustinus,
Reden 228/B, 1. “Es wurde zuerst von seinen Händen
bei dem mystischen Abendmahl vollzogen, als er das Brot nahm
und es brach, und dann vom Kreuz, als er auf dieses gebunden
wurde. In dem Moment vollzog er, da er die Würde des Priestertums
empfangen hatte, oder besser, da er sie schon immer besessen
hatte und sie auch mit seinem Tun verwirklichte, vollzog er das
Opfer, das uns dargeboten werden sollte”, Eusych v. Jerusalem,
Kommentar zu Levitikus, 1,4.
[60]”In diesem Opfer, oh Vater, feiern wir, deine Diener
und dein heiliges Volk, das Gedenken an das glückliche Leiden,
die Auferstehung von den Toten und die glorreiche Himmelfahrt
von Christus, deinem Sohn und unserem Herrn; und wir bringen
deiner göttlichen Herrlichkeit in Gestalt der Gaben, die
du uns gegeben hast, das reine, heilige und unbefleckte Opfer
dar, das heilige Brot des ewigen Lebens und den Kelch des ewigen
Heils”, Eucharistisches Hochgebet I.
[61]Vgl. Pier Damiani, Liber qui appellatur Dominus vobiscum,
X; PL 144, 238 D - 239 A.
[62]Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1076.
[63]Vgl. Cyrill v. Jerusalem, Mystagogische Katechesen, 5, 7.
[64]”[...]ut omnes in Christo unum simus[Gal 3, 38][...]
Unitas Ecclesiae ex personis innumerabilibus, diversi sexus,
diversae conditionis, diversi ordinis, diversaeque professionis,
multis modis solet significari. Hoc autem loco ab Apostolo significatur
per unitatem panis et unitatem corporis”, Balduin v. Ford,
Das Sakrament des Altars, II, 4: SC 94, 362. Vgl auch Johannes
Chrysostomus, Homilie zu Pfingsten, 1, 4.
[65] Cfr. Sacra congregatio rituum, Eucharisticum mysterium (25.
März 1967) 31-41; Sacra congregatio de disciplina sacramentorum,
Immensae caritatis (29.Januar 1973); Sacra congregatio pro cultu
divino, Eucharistiae sacramentum (21. Juni 1973) 13-78: Sacra
congregatio pro sacramentis et cultu divino, Inaestimabile donum
(3. April 1980) 1-19; Kongregation für den Gottesdienst
und die Sakramentenordnung, Redemptionis sacramentum (25. März
2004) 80-107.
[66] “Novum plane quod carnis Dominicae substantia, in
aliena specie sumpta, sanctificationis virtutem animae confert”,
Gilbert v. Hoyland, In cantica. Sermo VIII, 8: PL 184, 46 D.
[67] „Wirklich groß und unaussprechlich ist das Sakrament,
in dem wir wirklich dein Fleisch essen und dein Blut trinken:
ein Mysterium, das Angst und Zittern einflößt, dessen
Höhe den menschlichen Blick zurückweichen läßt,
der es erforschen möchte. [...] Das Opfer unserer Erlösung
soll in der Erfüllung meines Amtes durch dein Mitgefühl
und deine Gabe ausweiten, bis alle lebenden und verstorbenen
Gläubigen zum Heil geführt werden.”, Giovanni
Di Fecamp, Theologisches Bekenntnis, III. Teil, 28.
[68] Vgl. Congregatio pro clericis et aliae, Instr. Ecclesiae
de Mysterio (15. August 1997); Congregatio pro cultu divino et
disciplina sacramentorum, Directorium de celebrationibus dominicalibus
absente presbytero (2. Juni 1988).
[69] Wie das Zweite Vatikanische Konzil lehrt, ist die Diözese “der
Teil des Gottesvolkes, der dem Bischof in Zusammenarbeit mit
dem Presbyterium zu weiden anvertraut wird. Indem sie ihrem Hirten
anhängt und von ihm durch das Evangelium und die Eucharistie
im Heiligen Geist zusammengeführt wird, bildet sie eine
Teilkirche, in der die eine, heilige, katholische und apostolische
Kirche wahrhaft wirkt und gegenwärtig ist”, Christus
Dominus 11.
[70] Vgl. Die Regel des Heiligen Benedikt 62, 1.
[71] Die theologische Tradition und das Lehramt sind zur Kategorie
der Transsubstantiation zurückgekehrt, um diesen essenziellen
Aspekt des eucharistischen Glaubens angemessener zum Ausdruck
zu bringen. Vgl. Konzil von Trient, Session XIII. Decretum de
Ss Eucharistia, DS 1642 und 1652; Paul VI., Mysterium fidei 40
und 47; Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 15.
[72] Vgl. XI. Ordentliche Vollversammlung der Bischofssynode:
Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der
Sendung der Kirche. Lineamenta 60.
[73] Deshalb kann Augustinus sagen: “Niemand isst dieses
Fleisch ohne es vorher angebetet zu haben”, und fügt
hinzu, dass, wenn man dieses Fleisch isst, ohne es anzubeten,
sündigt, vgl. Augustinus, Auslegung der Psalmen 98,9.
[74] Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia, Nr. 25: “Der
Kult, welcher der Eucharistie außerhalb der Messe erwiesen
wird, hat einen unschätzbaren Wert im Leben der Kirche.
Dieser Kult ist eng mit der Feier des eucharistischen Opfers
verbunden. Die Gegenwart Christi unter den heiligen Gestalten,
die nach der Messe aufbewahrt werden, - eine Gegenwart, die so
lange andauert, wie die Gestalten von Brot und Wein Bestand haben
- kommt von der Feier des Opfers her und bereitet auf die sakramentale
und die geistliche Kommunion vor. [..] Wenn sich das Christentum
in unserer Zeit vor allem durch die „Kunst des Gebetes“ (NMI
32) auszeichnen soll, wie könnte man dann nicht ein erneuertes
Verlangen spüren, lange im geistlichen Zwiegespräch,
in stiller Anbetung, in einer Haltung der Liebe bei Christus
zu verweilen, der im Allerheiligsten gegenwärtig ist?“.
[75] Benedikt XVI.: Predigt der Heiligen Messe zum XX. Weltjugendtag
auf dem Marienfeld (21.August 2005).
[76] Vgl. Codex Iuris Canonici 938.
[77] Vgl. Sacra congregatio rituum, Eucharisticum mysterium (25.März
1967); Sacra congregatio pro cultu divino, Eucharistiae sacramentum
(21.Juni 1973) 1-12, 79-112; Sacra congregatio pro Sacramentis
et cultu divino, Inaestimabile donum (3. April 1980) 20-27; Kongregation
für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Redemptionis
sacramentum (25.März 2004) 129-145.
[78]“Die eucharistische Gegenwart Christi - sein sakramentales “Ich
bin bei Euch” - ermöglicht es der Kirche, das eigene
Geheimnis immer tiefer zu entdecken, wie es die ganze Ekklesiologie
des II. Vatikanischen Konzils bezeugt, für das “die
Kirche... in Christus gleichsam das Sakrament, d.h. Zeichen und
Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott, wie für
die Einheit der ganzen Menschheit” ist. Als Sakrament entwickelt
sich die Kirche vom österlichen Geheimnis des “Fortgehens” Christi
her, indem sie von seinem stets neuen “Kommen” durch
das Wirken des Heiligen Geistes innerhalb derselben Sendung des
Geistes der Wahrheit, des Trösters lebt”. Johannes
Paul II., Dominum et vivificantem 63.
[79] Johannes Paul II., Mane Nobiscum Domine 18: “Verweilen
wir lange auf den Knien vor dem in der Eucharistie gegenwärtigen
Herrn, indem wir mit unserem Glauben und unserer Liebe die Nachlässigkeit,
die Vergessenheit und sogar die Beleidigungen wiedergutmachen,
die unser Erlöser in vielen Teilen der Welt erleiden muss.”
[80] “Wer sich im Zustand der Sünde der Eucharistie
nähert, ist schlimmer als der Dämon“, Johannes
Chrysostomus, Predigten zum Matthäusevangelium, 82, 6. „Überall
wird daher der geordnete Vollzug des Mysteriums beachtet: zuerst
das Heilen der Wunden durch die Vergebung der Sünden, nachfolgend
wird die Nahrung vom himmlischen Tisch in Überfluß gegeben.“ Ambrosius,
Auslegung des Lukasevangeliums, 6, 71.
[81] Vgl Konzil von Trient, Session XIII. Decretum de Ss. Eucharistia,
DS 1661.
[82]Vgl. Johannes Paul II., Reconciliato et Paenitentia 17 und
27 ; Katechismus der Katholischen Kirche 1385.
[83] “Nicht jede Medizin ist für alle Krankheiten
geeignet.[...] In ähnlicher Weise sind die Taufe und die
Buße reinigende Medikamente (medicinae purgativae), die
verabreicht werden, um das Fieber der Sünde zu entfernen.
Die Eucharistie dagegen ist ein Stärkungsmittel (medicina
confortativa), die nur für die zugelassen werden darf, die
schon frei sind von Sünde” Thomas v. Aquin, Summa
Theologiae III, q.80, a. 4, ad 2um.
[84]Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche 1449-1460.
[85] Vgl.Johannes Paul II.: Redemptor hominis 20 “Ohne
diese ständigen und immer wieder neuen Bemühungen um
die Bekehrung wäre die Teilnahme an der Eucharistie der
vollen und erlösenden Wirklichkeit beraubt, würde sie
herabgemindert oder in ihr allgemein jene besondere Fähigkeit
geschwächt, Gott das geistige Opfer darzubringen, in dem
isch auf grundlegende und umfassende Weise unsere Teilnahme am
Priestertum Christi ausdrückt.”
[86] Vgl.Johannes Paul II.: Familiaris consortio 84; Glaubenskongregation,
Brief an die Bischöfe der Katholischen Kirche hinsichtlich
des Empfanges der Kommunion von geschiedenen und wiederverheirateten
Gläubigen, 14. September 1994.
[87] Vgl.Johannes Paul II.: Familiaris consortio 57.
[88] Vgl. Johannes Paul II.: Mulieris dignitatem 26. “Wir
befinden uns hier mitten im Ostergeheimnis, das Gottes bräutliche
Liebe zutiefst offenbart. Christus ist der Bräutigam, weil
er ‘sich hingegeben hat’: Sein Leib wurde ‘hingegeben’,
sein Blut wurde ‘vergossen’ (vgl. Lk 24,19.20). So
hat er ‘seine Liebe bis zur Vollendung erwiesen’ (Joh
13,1). Die aufrichtige Hingabe, die im Kreuzesopfer enthalten
ist, hebt endgültig den bräutlichen Sinn der Liebe
Gottes hervor. Christus ist als Erlöser der Welt der Bräutigam
der Kirche. Die Eucharistie ist das Sakrament des Bräutigams
und der Braut. Die Eucharistie vergegenwärtig und verwirklicht
auf sakramentale Weise aufs neue den Erlösungsakt Christi,
der die Kirche als seinen Leib ‘erschafft’. (...)
Vor allem in der Eucharistie wird ja in sakramentaler Weise der
Erlösungsakt Christi, des Bräutigams, gegenüber
der Kirche, seiner Braut, ausgedrückt. Das wird dann durchsichtig
und ganz deutlich, wenn der sakramentale Dienst der Eucharistie,
wo der Priester ‘in persona Christi’ handelt, vom
Mann vollzogen wird.” Vgl. auch Konzil v. Trient, Sessio
XXII. Decretum de Missa, DS 1740; Katechismus der Katholischen
Kirche 1617
[89] Vgl. Glaubenskongregation, Brief an die Bischöfe der
Kattholischen Kirche hinsichtlich des Empfanges der Kommunion
von geschiedenen und wiederverheirateten Gläubigen (14.
September 1994) 7-8.
[90]Vgl. Päpstlicher Rat für die Interpretation von
Gesetzestexten, Dignitas connubii, 25. Januar 2005.
[91] Im byzantinischen Ritus ruft der Priester nach der Kommunion: „Oh
unser heiligstes Ostern, Christus, Weisheit, Wort und Macht Gottes,
mach, dass wir an dir in noch vollendeterer Weise teilhaben im
unerschöpflichen Licht Deines anbrechenden Reiches“,
La Liturgie de saint Jean Chrysostome, Ed. Des Benedictins de
Chevetogne, 19574, 60.
[92]“Wenn du zu Tisch sitzt bei einem Herrscher, so achte
nur auf das, was vor dir steht. Begrenze deinen Hunger, denn
du weißt, dass du es vergelten mußt“ (Spr 23,
1-2). Ihr wisst, welches der Tisch des Herrschers ist; auf ihm
sind der Leib und das Blut Christi, wer sich dem Tisch nähert,
beeile sich, es zu vergelten. Und was bedeutet das? Es bedeutet,
dass, wie Christus sein Leben für uns gegeben hat, so auch
wir zur Auferbauung des Volkes und zur Bestärkung des Glaubens
unser Leben für unsere Brüder hingeben müssen.“ Augustinus,
Kommentar zum Johannesevangelium, 47, 2.
[93]Vgl. Johannes Paul II.: Mane Nobiscum Domine 24-25. “In
Gemeinschaft mit Christus im Ostergedächtnis zu treten heißt
zugleich, die Verpflichtung zu spüren, Boten und Verkünder
des Ereignisses zu werden, das durch diesen Ritus vergegenwärtigt
wird. Die Entlassung am Schluss jeder Messe stellt einen Auftrag
dar, welcher den Christen zum Einsatz für die Verbreitung
des Evangeliums und die christliche Beseelung der Gesellschaft
drängt. Für diese Sendung gibt die Eucharistie nicht
nur die innere Kraft, sondern liefert auch - in gewissem Sinne
- den Plan. Die Eucharistie ist wirklich eine Seinsweise, die
von Jesus auf jeden Christen übergeht und durch sein bzw.
ihr Zeugnis in die Gesellschaft und in die Kultur ausstrahlen
möchte.”
[94]Vgl. Ordo lectionum missae 10.
[95]Vgl. Cyprian, Brief “De sacramento calicis Dominici”,
63 1. Vgl auch Basilius, Über den Heiligen Geist, 27, 66.
[96] Vgl. Sacrosanctum Concilium 11.
[97] Vgl. Sacrosanctum Concilium 14.
[98] Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung,
Redemptionis sacramentum (25. März 2004) 43-47.
[99] Vgl. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung,
Redemptionis sacramentum (25. März 2004) 117-128.
[100] Es ist angebracht, daran zu erinnern, dass die ars celebrandi
beispielhafte Bezugspunkte braucht, die dem ganzen christlichen
Volk helfen können. In diesem Zusammenhang sollte an die
Wichtigkeit der Pontifikalämter der Bischöfe in den
Kathedralen erinnert werden (vgl. Institutio Generalis missalis
Romani [20. April 2000] 22), wie auch an die einzigartige Rolle,
die die Institute des geweihten Lebens spielen können, vor
allem die Klostergemeinschaften (vgl. Johannes Paul II., Novo
Millennio Ineunte 32-34; Kongregation für die Institute
geweihten Lebens, Instruktion Neubeginn in Christus 8, 25-26,
31).
[101] Vgl. Ad Gentes 22; Kongregation für den Gottesdienst,
Varietates legitimae (25. Januar 1994); Johannes Paul II., Redemptoris
missio 25, 52-54, 76, 85; ders., Fides et ratio 61 und 72; ders.
Ecclesia de Eucharistia 51.
[102]In dieser Hinsicht hat die Empfehlung von Sacrosantum Concilium
38 Bedeutung: “Unter Wahrung der Einheit des römischen
Ritus im wesentlichen ist berechtigter Vielfalt und Anpassung
an die verschiedenen Gemeinschaften, Gegenden und Völker,
besonders in den Missionen, Raum zu belassen, auch bei der Revision
der liturgischen Bücher. Dieser Grundsatz soll entsprechend
beachtet werden, wenn die Gestalt der Riten und ihre Rubriken
festgelegt werden.”
[103]Vgl. Das Missel romain pour les dioceses du Zaire und die
Billigung des Ordo Missae für Indien. Bemühungen in
dieser Richtung sind auch in Lateinamerika gemacht worden.
[104] Vgl. Johannes Paul II., Redemptoris missio 52-55.
[105]”Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt
in mir, und ich bleibe in ihm” Joh 6, 56. “Dieses
Brot zu essen und diesen Wein zu trinken, bedeutet in Christus
zu wohnen und ihn immer in uns zu tragen.” Augustinus,
Kommentar zum Johannesevangelium, 26, 18.
[106] Wie im Brief an Diognet lautet: “Die Christen nämlich
sind weder durch Heimat noch durch Sprache noch durch Sitten
von den übrigen Menschen unterschieden. Denn sie bewohnen
weder irgendwo eigene Städte noch verwenden sie eine abweichende
Sprache noch führen sie ein absonderliches Leben. Wahrlich
nicht durch irgendeine Einbildung oder Träumerei vorwitziger
Menschen ist ihnen diese Lehre ersonnen worden. Und sie bewohnen
griechische und nichtgriechische Städte, wie es ein jeder
zugeteilt erhalten hat; dabei folgen sie den einheimischen Bräuchen
in Kleidung, Nahrung und der übrigen Lebensweise, bezeugen
aber dabei ein außerordentliches und paradoxes Gemeinschaftsleben.
Sie bewohnen ihr jeweiliges Heimatland, aber nur wie fremde Ansässige;
sie erfüllen alle Aufgaben eines Bürgers und erdulden
alle Lasten wie Fremde; jede Fremde ist für sie Heimat und
jede Heimat ist für sie Fremde.” Diognetbrief V, 1-5.
[107] Stundengebet, Montag der zweiten Woche, Vesper, Antiphon
3.
[108] Johannes Paul II., Ecclesiae de Eucharistia, Nr. 20: “Eine
bedeutsame Konsequenz der eschatologischen Spannung, die in der
Eucharistie eingeschrieben ist, besteht auch darin, dass sie
uns auf dem Weg durch die Geschichte einen Impuls gibt und in
die tägliche Arbeit und Pflicht eines jeden einen Samen
lebendiger Hoffnung legt. Wenn die christliche Sichtweise nämlich
dazu führt, auf einen „neuen Himmel“ und „eine
neue Erde“ zu blicken (vgl. Offb 21,1), so schwächt
dies nicht, sondern fördert unseren Verantwortungssinn für
die gegenwärtige Welt. [...] Den Tod des Herrn verkünden, „bis
er kommt“ (1 Kor 11,26) bringt für alle, die an der
Eucharistie teilnehmen, den Auftrag mit sich, das Leben zu „verwandeln“,
damit es in gewisser Weise ganz „eucharistisch“ werde.
Genau diese Frucht der Verwandlung der Existenz wie auch der
Auftrag, die Welt nach dem Evangelium umzugestalten, lassen die
eschatologische Spannung der Eucharistiefeier und des ganzen
christlichen Lebens aufleuchten: „Komm, Herr Jesus!“ (Offb
22,20).”
[109] Johannes v. Damaskus zögert nicht, zusammen mit der
orthodoxen Tradition festzuhalten: “Ich ehre die Materie
und behandle sie mit Verehrung: Durch sie wurde mein Heil gewirkt”,
Orationes de imaginibus I, 16
[110] Johannes Paul II. Ansprache an die Teilnehmer des Kongresses über
Umwelt und Gesundheit, 24. März 1997, Nr. 5.
[111] Vgl. Franz v. Assisi, Erstes Mahnschreiben: “Oh ihr
Menschenkinder, wie lange noch verhärtet ihr euer Herz (Ps
4,3)? Warum kennt ihr die Wahrheit nicht und glaubt nicht an
den Menschensohn (Joh 9,35)? Seht, jeden Tag erniedrigt er sich
(Phil 2,8), wie damals, als er vom Königsthron (Weish 18,15)
hinabstieg in den Schoß der Jungfrau Maria; jeden Tag kommt
er zu uns in demütiger Form; jeden Tag steigt er vom Schoß des
Vaters (Joh 1,18; 6,38) hinab auf den Altar in die Hände
des Priesters; Und wie er den heiligen Aposteln in wahrem Fleisch
erschien, so zeigt er nun sich uns im heiligen Brot. Und wie
sie, mit ihren leiblichen Augen nur seinen Leib sahen, aber an
ihn als Gott glaubten, da sie ihn mit den Augen des Geistes schauten,
so müssen auch wir, wenn wir mit den leiblichen Augen Brot
und Wein sehen, mit Sicherheit sehen und glauben, dass sie sein
heiliger Leib und sein lebendiges und wahres Blut sind. Auf diese
Weise ist der Herr immer mit seinen Gläubigen, wie er sagt: “Seht,ich
bin immer bei euch bis zum Ende der Welt (Mt 28,20)”, Fonti
Francescane, EMP, 1980, 138.
[112] Vgl. Johannes Paul II. Ansprache an die Teilnehmer des
Kongresses über Umwelt und Gesundheit, 24. März 1997,
Nr. 2.
[113] Vgl. Johannes Paul II., Dominicae Cenae 5.
[114] „Es ist Euch weiterhin gut bekannt, liebe Brüder,
dass die Eucharistie in den Gotteshäusern und den Oratorien
als geistige Mitte der religiösen Gemeinde und Pfarrgemeinde
aufbewahrt wird, ja gar der Weltkirche und der gesamten Menschheit,
denn unter dem Schleier der heiligen Gaben enthält sie Christus,
das unsichtbare Haupt der Kirche, Erlöser der Welt, Mitte
aller Herzen,’von dem alles stammt, und auf den hin wir
leben’ (vgl. 1Kor 8,6). Daraus folgt, dass der eucharistische
Kult den Geist mit Kraft antreibt, eine ‘soziale’ Liebe
zu pflegen, mit der das Gemeinwohl vor das eigene gestellt wird;
machen wir uns die Sache der Gemeinschaft, der Pfarrei, der Weltkirche
zu eigen; und weiten wir unsere Liebe auf die ganze Welt aus,
denn wir wissen, dass es überall Glieder Christi gibt”,
Paul VI., Mysterium fidei, 7.
[115] Vgl. Lumen Gentium 52-69.
[116] Vgl. Johannes Paul II., Ecclesia de Eucharistia 53-58.
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