Papst
Benedikt XVI
Rom, 30. Mai 2005 |
„Die Jugendlichen sind die Hoffnung der Kirche. Das hat
Johannes Paul II. immer wieder betont. Aber in der heutigen Welt
sind sie
auch besonders der Gefahr ausgesetzt, «ein Spiel der Wellen» zu
sein, «hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen»,
wie der heilige Paulus in seinem Brief an die Epheser (4,14) sagt.
Sie brauchen also Hilfe, um im Glauben zu wachsen und zu reifen.
Das ist der erste Dienst, den sie von der Kirche und besonders
von uns Bischöfen und von unseren Priestern erhalten müssen.
Wir müssen verständlich machen, daß der Glaube
nicht etwas ist, das wir zur Bürde des Lebens noch hinzufügen,
sondern daß er die Perle ist, die es zu entdecken gilt. Er
ist das große Geschenk, auf das die Jugendlichen ein Anrecht
haben. Wir stehen in der Pflicht, ihnen zu helfen, diese Perle
zu erkennen und die Kostbarkeit des Glaubens zu entdecken, der
uns auf das Licht Gottes hin öffnet. Dabei wissen wir wohl,
daß viele von ihnen in der heutigen kulturellen Situation
nicht in der Lage sind, die gesamte Lehre der Kirche auf Anhieb
zu verstehen und anzunehmen. Aber gerade deshalb ist es wichtig,
in ihnen die Absicht zu erwecken, mit der Kirche zu glauben, auch
wenn sie nicht gleich alles – wenn man so sagen kann – „verdauen“ können,
sondern mit der Kirche zu glauben, uns der Kirche anzuvertrauen,
dieser Kirche Vertrauen zu schenken, die vom Heiligen Geist beseelt
und geführt wird, die das wahre Subjekt des Glaubens ist,
in das wir uns einfügen, in das wir eintreten und an dem wir
in der Gemeinschaft des Glaubens teilhaben.
Auch wenn jemand persönlich nicht alles versteht, tritt er
in die Gemeinschaft mit der Kirche ein, will er mit der Kirche
glauben und ist somit mit der Kirche, ja mit dem Herrn selbst unterwegs.
Damit das geschehen kann, müssen die Jugendlichen sich von
der Kirche geliebt wissen. Im konkreten Sinn von uns Bischöfen
und Priestern. So werden sie in der Kirche die Freundschaft und
die Liebe erfahren können, die der Herr ihnen entgegenbringt;
so werden sie verstehen, daß in Christus die Wahrheit und
die Liebe zusammenfallen, und sie werden ihrerseits lernen, den
Herrn zu lieben und seinem Leib, der die Kirche ist, zu vertrauen.
Liebe Brüder im Bischofsamt, das ist heute der zentrale Punkt
der großen Herausforderung der Glaubensweitergabe an die
junge Generation.“
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