NEIN zum Krieg
JA zu Amerika
Wie uns schon Bush Senior nicht überzeugt hat, so überzeugt uns auch Bush Junior nicht. Uns will nicht einleuchten, weshalb Saddam der Inbegriff alles Bösen und aller Gefahr ist,
und weshalb seine Beseitigung im Kampf gegen den Terrorismus so unabdingbar sein soll. Saddam ist einer von vielen Diktatoren. Gegenüber christlichen Kirchen herrscht im Irak eine gewisse Toleranz.
Das ist in anderen Ländern nicht der Fall.
Wir sind gegen diesen Krieg. Wir stehen auf der Seite des Papstes, der den Krieg für unangemessen hält – sowohl als Vorgehensweise wie in der
Sache selbst. Deshalb unternimmt er alles, was in seiner Macht steht, um ihn zu verhindern. Er will vermeiden, dass das geschundene irakische Volk zu allem Übel nun auch noch einem Bombenhagel ausgesetzt
wird, der in seiner Wirkung sicher verheerender ist, als die menschliche und politische Unterdrückung, unter der es ohnehin schon zu leiden hat. Zudem will er die Konsequenzen eines nutzlosen Konfliktes
vermeiden, die wir alle zu tragen hätten.
Wir stehen auf Seiten des Papstes und sind deshalb nicht nur gegen den Krieg, sondern befürworten in erster Linie sein Aufbauwerk für den Frieden. Der Papst spricht den Vereinigten Staaten
von Amerika damit nicht ihre Legitimation ab noch erklärt er sie zum Inbegriff aller Laster des reichen Westens. Ebenso wenig verteufelt oder exkommuniziert er katholische Soldaten, die in den Irak
aufgebrochen sind. Vielmehr ruft er alle dazu auf, sich im Gebet mit ihm zu vereinen ("Nur ein Eingreifen aus der Höhe kann die Hoffnung auf eine weniger düstere Zukunft stärken... Ich rufe
alle dazu auf, im Rosenkranzgebet die Gottesmutter um ihr Eingreifen zu bitten", betonte er beim Angelusgebet am 9. Februar). Und er ermutigt alle, Wege zu finden, um die uns drohende Gewalt
abzuwenden.
Unentbehrlich hierfür scheint uns vor allem eines zu sein: die Achtung der Freiheit: der Glaubensfreiheit, der Meinungsfreiheit, der Freiheit, sich für eine bessere Zukunft einzusetzen, der Freiheit
für Institutionen sowie der demokratischen Freiheiten. Für die Achtung dieser Freiheiten ist Amerika beispielhaft. Der Name Amerika ist damit so untrennbar verbunden, dass er schon fast zu einem
Mythos geworden ist, vor allem für die Entrechteten auf dieser Welt. Auch wenn die US-Regierung derzeit einen Fehler begeht, wenden wir uns in keinem Falle gegen Amerika, nicht zuletzt, weil man
dort auch gegen den Krieg sein kann. In allzu vielen Ländern lässt sich eine derartige Freiheit noch nicht einmal erträumen.
Wir sind österreichische Staatsbürger und Freunde der USA. Wir verbrennen weder amerikanische Fahnen noch leben wir in der Utopie, Gesellschaften errichten zu können, die so perfekt sind, dass
es nicht mehr nötig ist, gut zu sein. Wir beruhigen unser Gewissen nicht damit, Erklärungen abzugeben, die mehrheitsfähig sind.
Wir empfinden Verantwortung und Schmerz für die Widersprüche, die sich nicht auflösen lassen, für die Ohnmacht der internationalen Institutionen und für die Abhängigkeiten, an die die Beziehungen
unter den Staaten unvermeidlich gebunden sind. Wir wissen, dass wir unsere Freiheit und Energie einsetzen müssen, um die Dinge ebenso entschieden wie behutsam zu ändern.
Die wahre Friedensbewegung ist eine Bewegung für die Erziehung, die das Gewissen eines Volkes dazu anhält, sich dafür zu entscheiden, dass das Gute nicht besiegt wird vom Bösen - dessen
Gegenwart wir auch in einem jeden von uns selbst wahrnehmen und nicht nur in einem äußeren Feind (der in Abhängigkeit vom jeweiligen Lager einmal hier und einmal dort ausgemacht wird). Auf diese
Weise soll jede Entscheidung und Handlung dem Aufbau des Friedens, der Gerechtigkeit und einem menschlicheren Zusammenleben dienen.
13. Februar 2003
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