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Petrus: endgültiger und sicherer Felsen

Luigi Giussani

aus dem Buch Der Weg zur Wahrheit ist eine Erfahrung, Eos-Verlag 2006, S. 94-96

Die höchste Autorität ist die, in der wir den Sinn unserer ganzen Erfahrung finden: Jesus Christus ist diese höchste Autorität – und es ist Sein Geist, der dies verstehen lässt, indem er uns für den Glauben an ihn und für die Treue zu seiner Person öffnet.

„Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch“ (Vgl. Joh 20.21): Die Apostel und ihre Nachfolger (Papst und Bischöfe) bilden in der Geschichte das lebendige Fortwirken der Autorität Christi. In ihrer dynamischen Abfolge in der Geschichte und ihrer zunehmenden Ausbreitung in der Geschichte wird das Mysterium Christi unentwegt angeboten, ohne Irrtümer vertieft und kompromisslos verteidigt. Sie stellen folglich den Ort dar, an dem die Menschheit an den wahren Sinn der eigenen Existenz rühren und ihn fortwährend vertiefen kann wie an einer sicheren und ständig vom Ursprung her sprudelnden Quelle.

Was das Genie hinsichtlich des Rufs der menschlichen Bedürftigkeit ist, was der Prophet hinsichtlich des Rufs der menschlichen Erwartung ist, das sind die Apostel und ihre Nachfolger hinsichtlich der Verkündigung der Antwort. Und ebenso wie die wahre Antwort unvergleichlich klar und konkret ist verglichen mit der Erwartung, die zwangsweise vagen Vorstellungen und Illusionen unterworfen ist, sind sie endgültiger und sicherer Felsen: unfehlbar. „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ (Mt 16,17f )

Ihre Autorität bildet nicht nur das sichere Kriterium für jene Sicht der Welt und der Geschichte, die als einzige deren Bedeutung umfasst; sie ist zugleich lebendiger und fortwährender Ansporn zu einer wahren Kultur, ein unermüdliches Streben nach einer ganzheitlichen Schau, wobei sie jede Überbetonung des Partikulären und jede Idealisierung des Kontingenten, das heißt jedes Irrtums und Götzendienstes unerbittlich verurteilt. Ihre Autorität ist folglich der äußerste Führer auf dem Weg hin zu einem wahren menschlichen Zusammenleben, zu einer wahren Zivilisation.

Wo jene Autorität weder lebendig noch wachsam ist, oder wo sie bekämpft wird, erschwert und verfälscht sich der menschliche Weg, wird missverständlich und geht dem Fiasko entgegen, selbst wenn er dabei, wie heute, von außen gesehen mächtig, aufsteigend und ausgesprochen vernünftig erscheint. Wo jene Autorität hingegen lebendig ist und geachtet wird, erneuert sich der Weg der Geschichte und läuft sicher und ausgewogen auf das große Abenteuer des ursprünglichen Menschseins zu, selbst wenn dabei die Formen des Ausdrucks und des Zusammenlebens plump und schwerfällig sind.

Einen anderen wichtigen Aspekt gilt es noch hervorzuheben. Den Aposteln wurde der Wert Christi, der „Weg, Wahrheit und Leben“ ist, durch die Gabe des Geistes einsichtig, eine Gabe, die in ihnen jene bewusste und erleuchtende Hingabe ermöglichte. Diese Gabe ist zugleich Ursprung des unbezwingbaren Mutes und der enormen Sicherheit, mit der die Apostel ihren Meister vor der damaligen Kultur und Gesellschaft bekannt haben.

Auch heute ist es die Gabe des Geistes, welche die tiefe Bedeutung der kirchlichen Autorität als oberste Richtlinie auf dem menschlichen Weg zu entdecken ermöglicht. Eben hier entspringen jene letzte Hingabe sowie der vollkommen bewusste Gehorsam der Autorität gegenüber, durch den sie nicht mehr Ort des Gesetzes, sondern Ort der Liebe ist. Ohne die Wirkung des Geistes kann ein Mensch die Erfahrung jener definitiven Hingabe nicht verstehen, die den Gläubigen, das heißt den „Treuen“, an die Autorität bindet – eine Hingabe, die sich oft im Kreuz der Abtötung des Überschwangs eigener Genialität oder eigener Lebensentwürfe bestätigt.

  LAST UPDATE 17.05.2010 Impressum