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Das Zeugnis des Abschieds
von Julián Carrón
in Avvenire am 23/02/2005
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Es war ein Blick von denen, die jemanden zeichnen. Ich werde
ihn nie vergessen. Ich werde den Blick von Don Giussani mein
ganzes Leben lang vor Augen haben, als er das letzte Mal ganz
klar bei Bewußtsein war, wenige Tage bevor er in die Tiefe
des Seins hinabstieg und in den Himmel auffuhr. Dieser Blick,
mit dem er diejenigen anschaute, die um ihn herumstanden. Es
war, als sei er plötzlich von dem anderen Ufer zurückgekehrt,
um uns vor einer langen Reise Aufwiedersehen zu sagen.
Er hat jeden einzelnen von uns mit diesem durchdringenden Blick
angeschaut, der dich bis ins Mark berührte. Wie oft hatte
er so die Seinen angeschaut. Nicht nur die Seinen, sondern jeden,
der in den Horizont seines Lebens trat.
Dieses letzte Mal, als er uns anschaute, konnte nicht anders
als uns den Blick Christi auf Zachäus in Erinnerung rufen.
Aber dieser Blick war da vor uns. Wie eines Tages Don Giussani
bei einem Interview zu Renato Farina sagte: „Dieser Blick
Christi ist existenziell lebendig und kräftig, wenn er dem
Blick eine Gestalt gibt, die Weise der Zuneigung zu den anderen
Gefährten, zu den Freunden bestimmt.“ Genau das: der
Blick eines Freundes. Die ganze Bewegung und Intensität
der menschlichen Erfahrung entspringen hier. Gerade wie es Zachäus
ergangen war, als Jesus zu ihm sagte: „Komm herab vom Baum,
ich will heute zu dir kommen.“ Und dieser Mann war vom
Baum geklettert und - von diesem „menschlichen“ Blick
Gottes berührt - so glücklich, wie er es in seinem
Leben noch nie gewesen war, nach Hause gerannt. Sein ganzes Leben
lang hat uns Don Giussanis Menschlichkeit das Christentum als
Erfahrung mitgeteilt, etwas ganz anderes als eine Reihe von Gebrauchsanweisungen
oder eine korrekte und glatte Rede. Die Kirche ist ein Leben,
eine so faszinierende menschliche Erfahrung, dass sie einen gefangennimmt.
Darin besteht ihre Schönheit.
Wo ist das „Seltsame“ unseres Glaubens, das sich
so viele in ihrem Erstaunen nicht erklären können?
Wo liegt der Ursprung von Don Giussanis Anziehungskraft, seines
Charismas? In einer Schönheit, der man begegnen und die
man mitteilen kann. Dem Christentum als Schönheit werden
die beherrschende Kultur, die Macht nie etwas anhaben können.
Sie könnten einem Glauben etwas anhaben, der auf Ethik reduziert
ist, auf die Werte. Aber dem Ereignis einer gegenwärtigen
Schönheit niemals!
In diesem Augenblick finden angesichts von Don Gussanis Leben
die Worte von J. A. Möhler ihre ganze Größe und
Tiefe und drücken unseren Dank an denjenigen aus, der uns
jetzt Vater ist, wie niemand sonst auf der Welt: „Ich denke,
ich könnte nicht mehr leben, wenn ich Ihn nicht mehr reden
hörte!“
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