cl Luigi Giussani

Gemeinschaft und Befreiung

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PETRUS – Paolo Prosperi

Dies ist eine Mitschrit der Vorlesung über den Apostel Petrus gehalten von Paolo Prosperi bei den Adventsexerzitien 2002 im Stift Göttweig.

Seit ich klein war, habe ich immer eifersüchtig an meinem Ich festgehalten. Ich hatte die Intuition einer grenzenlosen Würde, eines Geheimnisses von einer Adeligkeit in mir. Als ob ich der Nachkomme von einem königlichen Geschlechte sei, von dem ich dunkel die Erinnerung bewahrte. Andererseits, als ich größer wurde habe ich all meine Armseligkeit, meine Mittelmäßigkeit entdeckt. Als ich mich umsah, sah ich, dass ich nicht viel besser bin als tausende Personen um mich herum. Und so entstand in mir die Frage: Warum fühle ich mich so kostbar, wenn ich so kostbar nicht bin? Schlussendlich: Warum existiert Paolo Prosperi? Mit diesem Gesicht? Mit dieser Stimme?

Wie mein Bruder heute zu Recht gesagt hat, habe ich immer die Antwort gesucht auf diese Frage, die wir alle haben. Diese suchte ich in der Zuneigung und Zustimmung der anderen. Das ist das, was in der Antike „die Suche des Ruhmes“ genannt wurde. Trotzdem bemerkte ich, dass am Schluss immer ein letzter Punkt von Einsamkeit übrig blieb, eine unerfüllte, unersättliche Einsamkeit. Denn, um ganz geliebt zu werden, dazu gehört es, dass ich ganz erkannt bin, dass der, der mich liebt, ganz kennt. Sonst liebt er nicht mich, sondern ein Bild von mir. Und so habe ich bemerkt, dass am Ende es darauf hinauslief, ganz gekannt zu werden, in einer Art und Weise wie es nicht einmal meine Mutter vermag.

Denn das Tiefste und Intimste, was wir haben, was unser Leben ist, hat einen Ursprung den niemand von uns kennen kann. Es ist ein Geheimnis. Und um Licht auf dieses Geheimnis zu werfen, braucht es ein anderes Licht. Ein Licht, das direkt vom Ursprung des Seins herkommt.

Für mich ist das Interesse für die Gestalt des Petrus genau hierin begründet. Das heißt ein Mensch wie ich, wie jeder von euch. Er war kein Wissenschaftler, kein Genie, kein Poet, kein Komponist, sondern ein Fischer, der an einem bestimmten Tag entdeckt hat, wer er war. Er hat es entdeckt durch die Augen eines anderen Menschen. Dieser Mensch hieß Jesus. Und dieser Mensch war das Licht, wie es Johannes viele Jahre später in seinem Evangelium sagen wird: „Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“ (Joh 1, 9)

Und Johannes, der damals selbst dabei war, erzählt diese erste Begegnung zwischen Petrus und Jesus: „Andreas, der Bruder des Simon Petrus, war einer der beiden, die das Wort des Johannes gehört hatten und Jesus gefolgt waren. Dieser traf zuerst seinen Bruder Simon und sagte zu ihm: Wir haben den Messias gefunden. Messias heißt übersetzt: der Gesalbte (Christus). Er führte ihn zu Jesus. Jesus blickte ihn an“ – indem er seinen Blick in ihn hineinfixierte – „und sagte: Du bist Simon, der Sohn des Johannes, du sollst Kephas heißen. Kephas bedeutet: Fels (Petrus).“ (Joh 1, 40-42)

Ich wollte die Übersetzung dieses Verb „er fixierte den Blick in ihn“ deshalb unterstreichen, weil die Bedeutung enorm ist, um das zu verstehen, was hier geschieht. Hier wird es nicht ausdrücklich gesagt, aber in vielen Passagen des Evangeliums verstehen wir, was mit diesem Verb ausgesagt wird. Johannes wird im nächsten Kapitel davon sprechen, wie dieser Blick Jesu war. Und er sagte, dass Jesus es nicht nötig hatte, von den Menschen informiert zu werden, weil er im Herzen jedes einzelnen Menschen las.

Nun hatte Simon diese Augen auf sich gerichtet, die ihn erforschen und durchleuchten. Die alles sehen, auch das, was er nicht einmal seiner Frau zu sagen gewagte. Die Ängste, die Hoffnungen, alles, auch das, was er selbst vergessen hatte. Und während seine Stimme seinen Namen ausspricht: "Du bist Simon" – fühlt er sich ganz klein werden. Und es gibt keine größere Macht als die, die dich ganz beherrscht, weil sie dich ganz erkennt. So sehr haben alle totalitären Systeme versucht, zu dieser Erkenntnis zu gelangen, ohne dass es ihnen je gelang. Denn die Gedanken eines Menschen zu kennen, bedeutet, ihn ganz zu besitzen.

Nur dass hier etwas Eigenartiges passiert: „du sollst Kephas heißen“, das heißt Fels – um diesen Satz zu verstehen, muss man verstehen, was für die Juden damals dieses Wort bedeutete. Der Fels ist in der jüdischen Überlieferung das, was Gott selbst für sein Volk ist, was der Messias für sein Volk sein würde. Indem er ihn nun Kephas nennt, gibt er Petrus die allergrößte Ehre, die größte Würde, die man sich vorstellen kann. Als ob er ihm sagen würde: Ich sehe dich, ich erkenne dich, ich weiß wie armselig du bist, aber ich liebe dich und ich werde dich zu Kephas machen, zum Felsen, das heißt zur Ehre und Heiligkeit Gottes. Ich werde dich mir selbst ähnlich machen.

Diese grenzenlose Macht hat ihn nicht zerdrückt, hat ihn nicht verachtet. Indem er ihn liebte, hat er ihn befreit. Im Leben gibt es nichts Befreienderes als sich als so klein zu erkennen in einem so befreienden Blick. In dieser Begegnung, in der schon alles enthalten ist, der das ganze Leben des Simon schon enthalten hat, ist im Grunde nur der Beginn eines Dramas. Denn die Liebe ist immer ein Drama, das heißt ein Verhältnis zwischen Freiheiten. Und es ist der Beginn einer immer größeren Entdeckung von dem, was Jesus war.

„Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten […]. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach. (Lk 5, 4-11)

Um diese Episode zu verstehen, müssen wir uns hineinversetzen und gegenwärtig haben, dass Simon ein Fischer war. Die Fischerei war sein Beruf und so dachte er, dass niemand so wie er die Geheimnisse des Sees kannte. Und so ist dieses Wunder so, als würde es ihn auf seinem eigenen Terrain demütigen und als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Und deshalb ist er versucht, sich zurückzuziehen und sich von Jesus zu distanzieren. Als wollte er sagen: „Ich bin nicht würdig, mit dir zu sein.“ Aber der Herr bestätigt ihn von neuem.

Mich berührt auch die Zärtlichkeit der Antwort Jesu; so als würde er den entzündeten Punkt seines Stolzes erfassen. Er sagte nicht: „Du bist ein schlechter Fischer“, sondern „Um wirklich Fischer zu sein, musst du mir nachfolgen“, „Um du selbst zu sein, musst du mir folgen“. Und wie antwortet nun Petrus? Er wird auf jede Weise versuchen diese Hochschätzung zu verdienen und seine Treue zeigen, was die menschlichste Dynamik ist, wenn man liebt.

Denn einem Sohn genügt es nicht, vom Vater geliebt zu werden. Er will ihm gefallen, er will, dass sein Vater stolz ist, er will ihm entsprechen. Er will riskieren. Denn die Liebe hält es nicht aus, nicht auf die Probe gestellt zu werden. Und hier ist die Größe von Simon erkennbar, in diesem Sieg der Zuneigung über das Kalkül. Aber genau hier ist auch die Dramatik. Indem er sich hineinwirft, ohne zu kalkulieren, ist er mehr ausgesetzt. Er setzt sich dem Irrtum und der Erfahrung der eigenen Unfähigkeit mehr aus. Und hier gibt es eine der Passagen, die mir am meisten gefällt, der Gang auf dem Wasser.

„Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus zu ihnen; er ging auf dem See. [...] Darauf erwiderte Petrus ihm: Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ – mit Kühnheit, so als wollte er ihn nachahmen, und Jesus belohnt diese Kühnheit – „Jesus sagte: Komm! Da stieg Petrus aus dem Boot und ging über das Wasser auf Jesus zu. Als er aber sah, wie heftig der Wind war, bekam er Angst und begann unterzugehen. Er schrie: Herr, rette mich! Jesus streckte sofort die Hand aus, ergriff ihn und sagte zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?“ (Mt 14, 25-31)

Jesus macht ihm diesen Vorwurf, und wenn wir genau hinschauen, so sehen wir, dass das ganze Evangelium voll mit Vorwürfen Jesu an ihn ist. Aber danach bestätigt er ihn immer wieder. Er bestätigt ihn immer wieder als Petrus, das heißt als den Ersten. Und es ist schön, dieses Sich-Herabbeugen von Jesus zu Simon, diese Geduld Gottes mit den Menschen, diesen Respekt Gottes für die Freiheit des Menschen, dieses Dienen Gottes den Menschen gegenüber zu sehen.

Und so wird Petrus, der eigentlich selbst ganz dienen wollte, dazu gezwungen, sich selbst bedienen zu lassen, wie man gut erkennt, als Jesus die Fußwaschung, diese unverständliche Geste, beim letzten Abendmahl ausführt. Ich weiß nicht, ob ihr es wisst, aber die Füße wurden gewöhnlich von den Sklaven und Dienern gewaschen. Für die Jünger ist Jesus der Messias, daher ist das für sie einfach nicht möglich. Und nun rebelliert Petrus. Jesus antwortet ihm: „[…] Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir.“ (Joh 13, 8) Es ist schön, dieses Spiel der Liebe, bei dem das Demütigste das ist, dass der andere sich für dich demütigt.

An einem bestimmten Punkt hat man den Eindruck – nach soviel Nachdruck der Worte Jesu, dass Petrus verstanden hätte. Jesus stellt die Frage: „Was meint ihr, wer ich bin?“ (vgl. Mt 16,13) und Petrus trifft die richtige Antwort. „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes.“ (Mt 16, 16) Jesus, so als wäre er erleichtert, holt weiter aus: Er kündigt zum Ersten Mal an, dass er sterben müsse.

Nun widersetzt sich Petrus, der meint, seine ganze Zuneigung auszudrücken, und meint, das würde es nicht geben. Hier finden wir die härtesten Worte im ganzen Evangelium, die Jesus zu einem der seinen spricht: „Weg von mir, Satan, weil du nicht denkst wie Gott!“ (vgl. Mt 16, 23) Stellen wir uns nun vor, wie sich Petrus gefühlt haben muss. Es ist die schmerzhafteste Erfahrung, wenn man liebt und den nicht versteht, den man liebt. Petrus hatte jedes Mal erneut verstanden, dass er noch nichts verstanden hatte und am Anfang war.

Er verstand, dass das Geheimnis dieses Mannes ihn überall überragte. Daher war die Beziehung zu ihm eine ständige Wunde. Trotzdem verstand und fühlte er, dass, wenn er weggehen würde, er am Ende wäre. Und vor allem verstand er, dass auch wenn er noch 1000 Jahre weiter nichts verstanden hätte, Jesus immer auf ihn gewartet und ihn immer neu bestätigt hätte. Das hat einerseits die Zuneigung zu Jesus vergrößert und verstärkt, aber gleichzeitig vergrößerte es den Schmerz, nicht ganz dem Geliebten zu entsprechen.

Hier gelangen wir zur Spitze dieses Dramas. Das muss Gott selbst geschrieben haben, denn so etwas kann man sich nicht ausdenken. Jesus ist kurz davor, den Juden ausgeliefert zu werden aufgrund des Verrats des Judas. An jenem dramatischen Abend sagt er dies zu den Jüngern und vor allen sagt er etwas, was sie noch mehr verletzt: „Ihr werdet mich alleine lassen.“ (vgl. Mt 26, 31) Petrus antwortet: „Auch wenn alle dich verlassen würden, ich würde dich nie verlassen.“ (vgl. Mt 26, 33) Aber wir wissen alle, wie es ausgeht. Jesus wird verhaftet und Petrus folgt ihm zuerst. Er schleicht sich auch in den Hof ein. Und hier lesen wir die Version des Lukas, welche die einzige ist, die nach dem dreimaligen Leugnen des Petrus von diesem Blickwechsel zwischen Jesus und Petrus berichtet:

„Eine Magd sah ihn am Feuer sitzen, schaute ihn genau an und sagte: Der war auch mit ihm zusammen. Petrus aber leugnete es und sagte: Frau, ich kenne ihn nicht. Kurz danach sah ihn ein anderer und bemerkte: Du gehörst auch zu ihnen. Petrus aber sagte: Nein, Mensch, ich nicht! Etwa eine Stunde später behauptete wieder ein anderer: Wahrhaftig, der war auch mit ihm zusammen; er ist doch auch ein Galiläer. Petrus aber erwiderte: Mensch, ich weiß nicht, wovon du sprichst. Im gleichen Augenblick, noch während er redete, krähte ein Hahn. Da wandte sich der Herr und blickte Petrus an. Und Petrus erinnerte sich an das, was der Herr zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.“ (Lk 22, 56-62)

Etwas was uns sehr beeindruckt hat, als wir die Ausstellung vorbereitet haben, war zu sehen, dass das Verb, das hier gebraucht wird für den Blick, das gleiche Verb ist, das bei der ersten Begegnung verwendet wurde: „den Blick hineinfixieren in den anderen“. Der gleiche Blick, der ihm damals eine Zukunft der Herrlichkeit und eine Bestimmung von Größe verheißen hatte, wird nun zum Spiegel seiner ganzen Armseligkeit. Es war genau die Hochschätzung in diesem Blick, den er immer wieder bestätigt gesehen hatte, bemisst nun seine ganze Schande und seinen Sturz. Eine Magd hatte genügt, ihn zu lähmen.

Doch weint Petrus. Warum weint Petrus? Petrus weint, weil er in den Augen Jesu nicht nur die Röntgenaufnahme des Bösen in sich erkennt. Denn das eigene Böse zu sehen, hinterlässt nur das Eis der Verzweiflung. Petrus weint, weil er in den Augen Jesu das Feuer der Barmherzigkeit sieht und endlich versteht, was er noch nie verstanden hatte: Er versteht, dass Jesus stirbt wegen seiner Unfähigkeit zu lieben, und dass seine Schande wie geraubt ist, um auf das Kreuz hinaufgetragen zu werden. Und so ergibt er sich endlich weinend der Barmherzigkeit Jesu.

Diese Tränen werden zum Ursprung einer neuen Kraft, die sich Demut nennt. Das heißt, meine Größe und Herrlichkeit ist deine Vergebung. Ich bin der, den du liebst. Und nun ändert sich alles und endgültig. Es gibt eine letzte Episode, welche die ganze Umwälzung deutlich macht im Leben des Jesus. Wir befinden uns noch vor dem „Ja“ des Petrus beim See Genezareth, der Ort, wo sie sich zu Beginn begegnet waren. Die Jünger sind alleine und gehen auf die Initiative des Petrus hin fischen. Zu einem bestimmten Zeitpunkt – sie hatten wie üblich nichts gefangen – erscheint eine Person am Ufer, die sie nicht erkennen können. Es ist Jesus.

„Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagt zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – denn sie waren nicht weit vom Land entfernt – nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her.“ (Joh 21, 4-8)

Wenn ihr genau aufpasst, sehr ihr, dass dieses Wunder dasselbe ist, welches wir zu Beginn gesehen hatten. Es ist genau das, was uns die Änderung deutlich macht. Gerade jetzt, wo seine ganze Armseligkeit offensichtlich geworden ist und wo er sich unter den anderen verstecken müsste, hat Petrus eine genau gegensätzliche Haltung zu jener, die er zu Beginn gehabt hatte. Damals hat er gesagt: „Geh weg von mir!“ Nun ist er es, der sich ganz alleine ins Wasser stürzt und schwimmend diese Distanz überbrückt, als ob er sich in die ausgebreiteten Arme der Barmherzigkeit stürzen würde. Er geht dem Gesicht der Barmherzigkeit frei entgegen.

Danach gibt es einen Dialog zwischen Jesus und Petrus. Dreimal stellt Jesus Petrus eine Frage: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?“ Beim ersten Mal fragt er: „ Liebst du mich mehr als diese?“ (vgl. Joh 21, 15) Warum fragt er ihn so? Weil er es war, der diesen Vergleich machte: Wenn alle anderen dich verlassen, ich nicht. Es ist jetzt fast so als würde er in der Wunde des Petrus noch herumstochern. Und diese Frage stellt er ihm dreimal – und dreimal hat er ihn verleugnet. Das großartige ist hier die letzte Antwort des Petrus: „Herr, du weißt alles. Du weißt, dass ich dich lieb habe.“ (vgl. Joh 21, 17)

Hier lesen wir einen Abschnitt von Don Guissani, als er das erste Mal diese Passage kommentiert hat:

Simon, liebst du mich? Ja, Herr, ich liebe dich. Wie konnte Simon so etwas sagen, nach all dem, was er getan hatte. Dieses „Ja“ war die Bestätigung, die Anerkennung einer überwältigenden Ausgezeichnetheit, einer unleugbaren Größe, einer Sympathie, die alles andere mit sich riss. Alles war in diesen Blick hineingeschrieben; du und ich. Kohärenz und Inkohärenz sind wie in den Hintergrund getreten, hinter die Treue, die er spürte, als Fleisch von seinem Fleisch, hinter jene Form des Lebens, die jene Begegnung geprägt hatte. Petrus hatte alles Mögliche angestellt und doch lebte er eine oberste Sympathie für Christus. Er verstand, dass alles in ihm zu Christus hinstrebte, dass alles sich sammelte in jenen Augen, in jenem Antlitz, in jenem Herzen. Man konnte ihm nicht die vergangenen Sünden vorwerfen, nicht einmal die zukünftige Inkohärenz war ein Einwand. Christus war die Quelle, der Ort seiner Hoffnung. Wenn man ihm alles Mögliche vorgeworfen hätte, was er getan hat und was er noch tun würde, Christus bliebe durch den Nebel der Vorwürfe der Quell des Lichtes seiner Hoffnung. Eine Hochschätzung, die größer war als alles andere, vom ersten Moment an, als er sich so angeschaut gesehen hatte von ihm. Er liebte ihn deswegen.

Es würde hier eigentlich aufhören und es hört hier auf, aber es gibt noch eine Bemerkung. Was mich am meisten bewegt bezieht sich auf die Art und Weise, wie Petrus gestorben ist. Die Überlieferung sagt, dass Petrus gekreuzigt wurde. Im Johannesevangelium finden wir während des letzten Abendmahles folgende Unterhaltung: Jesus sagt: „Wohin ich jetzt gehe, könnt ihr mir nicht folgen.“ (vgl. Joh 13, 36-37) Aber die Liebe hält nicht inne vor diesem Verbot und so fragt Petrus: „Warum kann ich dir nicht folgen?“ Jesus wollt auf Kreuz verweisen. Der Ort, wohin er hingehen wird, war das Kreuz  und so antwortete Jesus: „ Wohin ich jetzt gehe, kannst du mir nicht folgen. Aber du wirst mir später folgen.“ Diese Wunde, die der Verrat in das Herz des Petrus geschlagen hatte, blutet immer noch, sein ganzes Leben lang. Aber am Ende erfüllt Jesus seine Verheißung. Er erfüllt die Verheißung: Du wirst mir später folgen. Du wirst mir ähnlich werden. Und Petrus ist der einzige der gestorben ist, wie Jesus, für Jesus.

  LAST UPDATE 09.01.2003 Impressum